Posts Tagged ‘Traurig’

Piraten? Piraten!

Thursday, July 2nd, 2009

Wa ist da eigentlich los, im armen Somalia? In den Medien schon x-fach wiedergegeben: Die Situation in Somalia ist Schuld an der aktuellen “Pirateplage”. Welche Situation? Gemeint ist wahrscheinlich, das es sich bei Somalia um ein, im wahrsten Sinne des Wortes, “vergewaltigtes” Land handelt… Vergewaltigt von wem? Von allen! Dem eigenen Staatsoberhaupt, reichen Industriestaaten… Eigentlich alles was in Somalia in den letzten 50-60 Jahren politisch und wirtschaftlich passiert ist, muss einem einfach die Tränen in die Augen treiben.

Zur Geschichte in Kürze:

  • 1960 Unabhängigkeit von GB und Italien
  • 1969 Militärputsch und Machtergreifung durch Siad Barre (Ex-Hirtenjunge und Sozialist)
  • 1977 – 1978 Ogadenkrieg gegen Äthiopien, endet in Niederlage
  • 1980er Abkehr vom Sozialismus, Öffnung des Landes für den Westen, da von Russland im Krieg gegen Äthiopien hintergangen
  • 1991 Sturz Siad Barres und Beginn eines Bürgerkriegs
  • 1993 “Black Hawk Down” – Abschuss mehrerer US-Kampfhubschrauber in Mogadischu, Vorlage für den gleichnamigen Film
  • bis heute, Machtkämpfe und Krieg verschiedener Parteien und Warlords, keine funktionierende Zentralregierung

Fakten zu Somalia [CIA – The World Factbook]:

– 70% der Bevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser
– ca. 11% Säuglingssterblichkeitsrate
– Lebenserwartung bei Geburt 49,6 Jahre
– GDP (BIP) ca. $5,4 Mrd
– pro Kopf Einkommen ca. $600
– Religion vorwiegend sunnitisch-islamisch

Karte_Map_SomaliaQuelle Bild: [wikipedia.de]

Dieses Land wurde von allen vergessen. Halt! Nicht allen… Eine kleine (große?) Anzahl gewiefter Entsorgungsunternehmer, die den toxischen Abfall, der so in reichen Industrieländern anfällt, entsorgen, hat sich an Somalia erinnert. Schließlich ist ein Land ohne funktionierende Regierung und Küstenwache, dass sich seit fast 18 Jahren im Konfliktzustand befindet der perfekte “Abnehmer” für Sondermüll. Auch Fischereiflotten diverser Länder haben sich erinnert und sich innerhalb der somalischen Gewässer gütlich getan, schliesslich waren die Gewässer sehr fischreich – warum auch diese 200 Meilenzone beachten?

Ein leckerer Umstand. Einige Schiffe verklappen hochtoxischen Müll, Uran, alles was die Industrie so hergibt, an der Küste und in somalischen Gewässern und andere Schiffe überfischen dann das teils arg verseuchte Gewässer. Lecker Omega 3-Nuklearsäuren für Fischfans – so futtern die Leute in den Industriestaaten dann das Cadmium aus ihren Walkmanbatterien – der Kreis schliesst sich. Ist das denn alles so schlimm? Also der UNeP Report, der sich mit den Folgen der Tsunami befasst, beschreibt:

“Contamination from the waste deposits has thus caused health and environmental problems to the surrounding local fishing communities including contamination of groundwater. Many people in these towns have complained of unusual health problems as a result of the tsunami winds blowing towards inland villages. The health problems include acute respiratory infections, dry heavy coughing and mouth bleeding, abdominal haemorrhages, unusual skin chemical reactions, and sudden death after inhaling toxic materials.” (p. 135)

Quelle: [unep.org]

Aha. “Sudden death”, nachdem jemand was Giftiges eingeatmet hat. Fische tot, Grundwasser tot, Fischer tot. So schlimm geht das schon seit den 80er Jahren. Frei nach dem Motto, wo kein Kläger, da kein Richter. Obwohl Kläger gibt es viele: Greenpeace und diverse andere Verbände und NGOs weisen auf den Umstand des Giftmüllhandels gen Somalia schon länger hin [greenpeace.de], genauso wie auf die illegale Überfischung durch ausländische Fischerboote – was im Fachjargon als “Pirate-Fishing” bezeichnet wird [greenpeace.org]. Aber wer richtet es? Keiner…

Wem keiner hift, der hilft sich selbst. Und nun haben wir (die handeltreibende Weltgemeinschaft) das Problem in Form von Fischerbooten, die bis an die Zähne, mit allem bewaffnet, was der internationale Waffenhandel liefern kann, auf ihre eigene “Pirate-Fishing”-Touren gehen. Interessant ist, dass erst ein Frachter mit 33 russischen Panzern an Bord gekapert werden muss, damit auch im dösenden Europa und den gerüsteten USA, die Alarmglocken schrillen [welt.de]. Zack-bumm, gleich sind diverse Zerstörer vor Ort, alle Staaten entsenden ein bisschen Marine. Aber wieso? Damit die Fischer keinen Panzer klauen? Damit nicht noch mehr Waffentransporte aus dem Ostblock gekidnappt werden? Wegen der anderen Frachtschiffe, die teilweise schon monatelang gekidnappt vor Somalia in Piratenhand sind? Auf jeden Fall ist auf einmal die Weltpresse und -öffentlichkeit interessiert. Schließlich muss man Angst haben, dass die gebuchte Kreuzfahrt im Golf von Aden viel aufregender wird als gedacht, oder dass die Südfrüchte nicht rechtzeitig in Europa ankommen.

Armes Somalia. Wer sich mal über den Stand im Staat informieren möchte, sollte mal auf der Seite der Regierung vorbeischauen… Letztens wurde beinahe der Präsident der Übergangsregierung ermordet. Es hat dann nur den Bruder und einige Sicherheitsleute erwischt [somalia.gov]. Außerdem gibt es vermehrt “islamistischen Terror” von “islamistischen Gruppen” die “al Qaeda” nahe stehen (sollen)…

Aber Hauptsache, die Piraten klauen keine Frachter mehr mit Waren für Industrie-Staaten, deren Abfallprodukte aus der Herstellung schon in Somalia am Strand fläzen. Bon Apetit!

Aktionismus gegen Kinderpornographie?

Tuesday, March 31st, 2009

Kaum ein anderes Thema wird momentan so heiß daher gekocht wie der “Kampf gegen die Kinderpornographie”. Kaum ein anderes Thema demonstiert eindrucksvoller, wie schwer sich der Gesetzgeber hierzulande mit den “Neuen Medien” tut. Da wird diskutiert und verteufelt, da sollen Seiten gesperrt werden, da sollen Zeichen gesetzt und es soll geächtet werden… Ächtung ist besonders wichtig, das war schon im Mittelalter ein probates Mittel, Menschen zum Umziehen zu bewegen. [BMFSFJ.de]

Alles Signale – Signale sind toll. Ungefähr so toll wie Ampeln.

Wenn es dann soweit kommt, dass aus Signalen Gesetze werden, fragt man sich, was da eigentlich los ist… Z.B. wurde da der § 184c neu ins StGB aufgenommen – “Jugendpornographie”.

(1) Wer pornographische Schriften (§ 11 Abs. 3), die sexuelle Handlungen von, an oder vor Personen von vierzehn bis achtzehn Jahren zum Gegenstand haben (jugendpornographische Schriften) […]
(2) Ebenso wird bestraft, wer es unternimmt, einem anderen den Besitz von jugendpornographischen Schriften zu verschaffen, die ein tatsächliches oder wirklichkeitsnahes Geschehen wiedergeben.

Damit kann es auch strafbar sein, wenn in einem Film zwei alte Muttis im Schulmädchenkostüm Handlungen aneinander vornehmen (kann wirklichkeitsnah sein!). Wie ist es mit Schriften, in denen Handlungen von Älteren, die jünger erscheinen, beschrieben werden? In denen es vielleicht heißt: “… sie war ziemlich dick und kindlich für ihre 25 Jahre und sie sagte ihm, sie wäre 18, bevor sie anfingen…” – Wir brauchen eine Renaissance in Sachen Bücherverbrennung!

“Wenn es sich dabei um Filme mit sogenannten „Scheinminderjährigen“ (= Erwachsene, die als Minderjährigen / Teens dargestellt werden) handelt, macht man sich nach dem neuen Gesetzeswortlaut strafbar, da das neue Strafgesetz nicht fordert, dass die beteiligten Personen auch tatsächlich minderjährig sind. Es reicht, wenn sie – wie auch bei der Kinderpornographie – auf den Betrachter wie Minderjährige wirken.”

Quelle [anwalt-seiten.de]

Endlich mal ein richtig schöner Gummiparagraph, der so ca. alle Leute kriminalisiert, die jemals einen Schmuddelfilm “bezogen” haben, bei dem “teens” im Titel stand. Damit bekommt man bestimmt die Richtigen. Die britische Innenministerin und ihren Mann wahrscheinlich, es sei denn, die haben sich etwas angeschaut was eindeutig “mature” war – aber das ist alles Spekulatius. [spiegel.de]

Zurück zum Thema: § 184b StGB gets down to business:

Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornographischer Schriften

(1) Wer pornographische Schriften (§ 11 Abs. 3), die sexuelle Handlungen von, an oder vor Kindern (§ 176 Abs. 1) zum Gegenstand haben (kinderpornographische Schriften),
1.     verbreitet,
2.     öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht oder
3.     herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist, einzuführen oder auszuführen unternimmt, um sie oder aus ihnen gewonnene Stücke im Sinne der Nummer 1 oder Nummer 2 zu verwenden oder einem anderen eine solche Verwendung zu ermöglichen, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. [Fettdruck fiesemu]

Uiuiui – bis zu 5 Jahre! Da überlegt man sich schon zweimal ob man seinen Enkel in der Badewanne filmt! China mag ja kein großes Vorbild bei fast nichts sein, aber dort soll es vorkommen, dass Anbieter lebenslänglich Gulag für die Distribution von normalem Porno bekommen – könnte man nicht in D noch zumindestens eine Zwangstherapie mit vorschreiben, oder mehr Jahre geben, wenn der Fall eindeutig ist? [heise.de]

Immerhin hat das Ministerium um Frau von der Leyen eingesehen, dass die angedachten Sperren für Internetseiten nicht 100%ig wirksam sind – trotzdem ist die Argumentation zum Haare raufen:

Können Zugangssperren bei den Providern die Verbreitung von Bildern und Videos, die den sexuellen Missbrauch von Kindern dokumentieren, zu 100 Prozent verhindern?

Technisch versierte Internetnutzer werden immer Wege finden, die Sperren zu umgehen. Entscheidend ist aber, dass dadurch der Zugang für die große Masse der durchschnittlich versierten Internetnutzer blockiert wird. Das trifft die Anbieter der Kinderpornografie empfindlich, weil weniger Geld eingeht. Das deutliche STOP-Schild erhöht zudem die gesellschaftliche Ächtung des Missbrauchs. Dass das System funktioniert, zeigen die jahrelangen Erfahrungen anderer Länder, die bereits Zugangssperren eingerichtet haben. Statt vor den Möglichkeiten im World-Wide-Web zu resignieren, werden alle Mittel gegen die Verbreitung von Kinderpornografie genutzt. [Fettdruck fiesemu]

Quelle [BMFSFJ.de]

Der Reihe nach:

  • “Technisch versierte Internetnutzer” = jeder der mal was von Proxyservern gehört hat, also nur extrem bewanderte Menschen *räusper*. Außerdem kann man davon ausgehen, dass Pädophile zwar krank sind, aber nicht notwendig dumm – auch solche Leute mögen fähig sein zu lernen. Man könnte einfach die Chinesen fragen, die auch mal Google benutzen wollen, wie sowas geht – bei denen freuen wir uns schizophrenerweise, wenn sie die Zensur umgehen… Außerdem leiden unter einer Sperre wahrscheinlich in erster Linie die Leute, die böse Inhalte nur zu Recherchezwecken suchen [netzeitung.de]. Problematisch könnten auch die Anbieter sein, die relativ einfach etwas gegen die Sperren unternehmen können! Siehe [onlinekosten.de]
  • “weil weniger Geld eingeht” – sind es die tausenden von K-Porn-Bezahlseiten, die wir unterbinden möchten? Hoffentlich nicht, denn diese machen offensichtlich nicht den Elefantenteil der Verbreitung aus. “Anbieter” sind doch viel eher die nicht-kommerziellen bösen Onkels, die Ihre Fotos auf ganz anderen Wegen, als Bezahlseiten unter einander tauschen. Warum etwas bezahlen, wenns auch was umsonst gibt? Mehr zu diesem Thema: [carechild.de]
  • “das deutliche STOP-Schild” – also keine Ampel, es geht um ein STOP-Schild! Ächtung bitte!
  • “gegen die Verbreitung” – die einzuschränken erscheint auch das vorrangig Wichtigste! Es ist ein klasse Ansatz, den Zugriff auf Inhalte einzuschränken, bei denen das Kind schon vor die Kamera in den Brunnen gefallen ist. Wäre es nicht weiterführender, vielleicht die Mittel der SOKOS, der Polizei und allen Kontra-K-Porn-Stellen aufzustocken und mehr Kraft darauf zu verwenden, solche Taten zu verhindern – vielleicht sogar auf internationalem Parkett? Vielleicht sogar durch Beratungsstellen für (potentielle) Täter?

Diese Punkte machen sehr schön deutlich an welchen Stellen die ganze Diskussion und die Unternehmung krankt — es geht nicht um Millionen, es gibt keine Industrie, die man “trockenlegen” müsste, damit keine Kinder mehr missbraucht werden (hierzu auch [lawblog.de]) — Sperren sind zwecklos, Zensur bedeutet nur, dass Interessenten ein klein wenig mehr Aufwand betreiben müssen um an Inhalte zu kommen — “Ächtung” ist ein schönes Wort mit germanischer Tradition, aber es verhindert nichts — Verbreitung ist sicherlich etwas das zu unterbinden ist, Produktion und Entstehung sind aber viel größere Baustellen…

Dies alles lässt die Diskussion, die im Ansatz sicherlich richtig und richtungsweisend ist, mehr wie Populismus und die beabsichtigten Maßnahmen mehr wie hilflosen Aktionismus erscheinen.

DISCLAIMER: Der Autor ist der Meinung, dass Kinderpornographie defintiv eine große Baustelle darstellt und dass etwas gegen den Mißbrauch von Kindern unternommen werden muß. Dass dies aus diversen Gründen, wie dem Internet als Medium, einer globalisierten Welt, mit unterschiedlichsten Rechtsräumen, dem häufigen Tatort “Familie” oder “fernes Ausland” extrem schwierig ist, ist klar. Das Problem auf eine stillzulegende K-Porn-Industrie zu stilisieren, technisch unpraktikable Sperren einzurichten und dann “etwas getan haben” – führt aber zu kaum etwas, außer vielleicht einer hitzigen öffentlichen Diskussion.

Thanks to: Mr. S. für links und Anregung zu diesem post.

NACHTRAG: Auf welchem Niveau argumentiert wird, macht auch ein Punkt unter “Material für die Presse” deutlich. Vielleicht hat da jemand gedacht, bei der Presse, da nimmt man’s eh nicht so genau, da können wir mal in die Vollen gehen. So heißt es da:

“Mit der allgemeinen Verfügbarkeit digitaler Kameras ist eine Flut neuer und hoch aufgelöster kinderpornografischer Bilder und Videos zu beobachten. Diese Bilder verfolgen die Opfer u. U. bis an ihr Lebensende, weil das Internet nichts vergisst.”

Quelle wieder [BMFSFJ.de]

Da fragt man sich welche Umstände dies sein sollen, unter denen da ein Opfer von den Bildern verfolgt wird. Die psychologischen Folgeschäden durch den Missbrauch / die Bilder sind ja offensichtlich nicht gemeint. Ein möglicher Umstand (?):

Enkel: “Oma du warst ja als du klein warst auch ein ziemliches Luder, hab’ ich im Internet gesehen!”

Oma: “Woher weißt du, dass ich das war?”

Enkel: “Hab’ dich wiedererkannt auf dieser Kinderpornoseite…”

Gell, bis ans Lebensende?! Das ist natürlich extrem wahrscheinlich. Aber wir biegen uns die Gründe her…

FSK

Tuesday, March 24th, 2009

Das Zensur notwendig ist, darüber sind sich viele Politiker und “Experten” einig, denn wir wissen alle, dass nicht Menschen Menschen töten, sondern Computerspiele und Filme. Ist ja auch bewiesen und so. Man gebe dem Ganzen dann noch einen netten Euphemismus in Neusprech: “Freiwillige Selbstkontrolle”. Klar, dass man sich als Film-Label mit einem Titel freiwillig selbst kontrolliert, wenn die notwendige Jugendfreigabe, die aus dieser Kontrolle resultiert, gesetzlich vorgeschrieben ist, um ihn verkaufen zu dürfen.

Weil dass alles so sinnvoll ist und die Welt so viel besser macht, haben die FSKler jetzt noch einen draufgesetzt – es gibt neue FSK-Siegel für DVD’s und CD’s [spio.de].

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Hübsch hässlich. Anscheinend hat da jemand seinen 8-jährigen Neffen ein bisschen mit Word spielen lassen eine Designagentur mit der Gestaltung dieser kleinen Kunstwerke beauftragt, die in einer Übergangszeit bis spätestens März 2010 auf jedem Cover vorne in 3,46×3,46 cm prangen müssen. Es sind keine Aufkleber, die man abpulen kann! Wie toll das dann aussieht, wenns fertig ist, sieht man hier:

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Freuet Euch, Ihr CD- und DVD-Sammler. Amazon hat auch schon alle Negativbewertungen auf Grund der neuen Cover-Gestaltung gelöscht. Ist schon Mist, wenn einem die letzten Leute aufs Dach steigen, die noch Geld ausgeben wollen für Ihre Filme und Musik. [schnittberichte.de]

Ein Blick in die Zukunft, für alle, die Limited und Special Editions mögen:

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Man beachte auch die neue Freigabe “ab 0 Jahre”! Mathematiker vor – heisst das, dass es auch für die gesamte ungeborene Menschheit freigegeben ist? Ist “0” ein Alter? Einfach keinen Button für Medien zu vergeben, die ohne Altersbeschränkung sind, wäre auch zu einfach gewesen…

Wie differenziert sich mit dem Thema Altersfreigabe auseinandergesetzt wird, demonstriert eindrucksvoll auch eine große deutsche Kaufhauskette, die auf Grund des Amoklaufs von Winnenden, gleich alle “ab 18 – Spieletitel” aus dem Sortiment nimmt. Macht total Sinn, weil man schon ordentlich einen Zacken in der Krone haben muss, wenn man sich sein Killerspiel im Kaufhaus kauft, weil es da so richtig schön teuer ist. Oder weil in jedem ordentlichen Spieleladen die Verkäufer gut geschult sind und nix an Minderjährige abgeben. [pcgames.de]

In den USA ist alles besser anders, da wird statt Gewalt eben Sex zensiert. Verständlich, in einem Land, in dem man im Supermarkt halbautomatische Waffen nebst Munition bekommt. Dort zu sagen, Gewaltdarstellung könnte zu gesellschaftlichen Problemen führen, wäre irgendwie paradox. Was bleibt da noch als Sündenbock? Fleischliches. Die Wurzel allen Übels – blanke Haut. Wozu das dann führt: Man zensiert nude mit blood. [Szene aus “Dawn of the the Dead”, Internationale und US-Version]

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Thanks to: Mr. S. für die links und die Bilder!

Postwurf

Saturday, March 7th, 2009

Als großer Fan von Supermärkten freue ich mich jede Woche auf die Postwurfsendung, die mich mit dem Allerlei an tollen Angeboten auf dem Laufenden hält. Zwar denke ich mir, dass es eigentlich eine kleine Sünde ist, soviel Papier zu verbrauchen um diese hochgradig professionellen Broschüren zu produzieren. Vor allem jetzt, wo sich auch das papierlose Büro als mieser Marketing-Gag entpuppt hat – www.daspapierlosebuero.de (s. Produkte). Wenn man sich bei den Postwurfsendungen mal beschaut was und wie da beworben wird, tut es einem noch viel mehr um die Bäume leid, die lieber Bibeln, oder zumindest Ken Follett Bücher hätten werden sollen.

Besonders aufregend sind diese Produkte, bei denen man sowohl nach Sinn als auch nach Nutzen nicht fragen braucht:

Karre

Diese faltbare Schubkarre erscheint praktisch auf den ersten Blick (Körpertransport), wenn man es sich aber genau überlegt, ist sie nutzlos! Wie soll man in diesen Stoffbahnen mit Rad bitte Bier kaltstellen? Was soll das? Dinge, die die Welt nicht braucht.
Bemerkenswert ist, dass der Artikel ohne jegliche Deko kommt, also ohne: Rasen, Frau, Mädchen, Himmel, Holz, Hecke, Einfamilien-3L-Fertighaus, Baum. Gut das darauf hingewiesen wurde (die Beschreibung “Faltbare-Schubkarre” ist auch wirklich nicht eindeutig)…

Dekokugel

Machen Sie Ihrem Mann eine Freude – Rasenmähen war noch nie so spassig. Immer drumherum um die Glitzerkugeln. Toll, wie die so die Sonne und Alles reflektieren, hui, Spiegelreflexe! Man kann sich sogar selber darin sehen, mit ganz großen Augen und dicken Backen – am Teich, in der Küche, überall. Dies ist ein Artikel aus der Reihe “Der faszinierte Ureinwohner” – nächste Woche gibt es ein 99-teiliges Glasmurmel-Set. Als Alternativwährung bei diversen Buschvölkern hoch im Kurs. *Aus hochklarem, durchsichtigem Fensterglas*

Das man sich in den Agenturen, die diese Faltbroschüren konzeptionieren auch über gesellschaftliche Themen Gedanken macht, machen die folgenden Anpreisungen deutlich!

Single

Ein großer Discounter bewarb so diese leckeren Fertigsandwiches. Lange grübelte ich über die verborgene Nachricht, die hinter diesem werbetechnischen Geniestreich steckt… War es der Gedanke “Haste keine Olle die dir ein Butterbrot schmiert – Kauf das!” oder eher “Bist du einsam und alleine – dann ist sowieso egal was du ißt”. Man weiß es nicht. Find’ ich aber schonmal nen guten Zug, was Gesellschaftsrelevantes mit einzubeziehen – so wie hier, zum Thema Geschlechterverhältnis:

Das ist Emanzipation. Ordnung die rockt – ein Sauger in den teuflischen Farben der Ordnung. Wie es dazu kam:

Fotograf: “Drama Katlininka, genau, jeah, du hast Spass! Genau, mach weg den Dreck, jeah! Oh, du bist ja barfuß!”

Model: “Mir hat keiner Schuhe gegeben.”

Fotograf zu Assistent: “Klaus-Susi, komm her, hör’ auf mit der Maniküre – zieh deine Pumps aus!”

Assistent: “Och menno, der Fußboden in diesem Keller ist so kalt!”

Fotograf: “Hör’ auf zu nörgeln – hier Katlininka, zieh an die Puschen!”

Model: “Die sind zu groß.”

Assistent: “Ich sack’ mir einen auf.”

Fotograf: “Jetzt haltet’s das Maul, Herrgottsakra – ich bin total unterbezahlt für den Stress mit Euch… Komm’ dann machen wir jetzt das Bügelbrett!”

bugeln

Schön, das in Werberdeutschland die Geschlechterrollen noch traditionell verstanden werden! Da ist die Welt noch in Ordnung – Frau im Rock macht sauber, richtet die Sachen, für die Ihre kleinen zarten Hände gemacht wurden und das rockt und sie hat Spass!

leiter

Nein, Hilfe naht: Aber wenn’s mal schwerer zur Sache geht *hoho* dann ist auch schon der1500W starke Kerl am Start. How to sell a Abruchmeissel? Chippendalestyle!

bohrer

Uiuiui. Jedes Abibuch ist mit mehr künstlerischer Finesse und Kreativität gemacht… Gut, das kommt auch nur einmal raus und fertig. Aber diese Werbesendungen werden im Vergleich zu Abibüchern von x-tausend Personen gelesen, nicht nur von ein paar Familien! Warum werden da so schäbige Sachen gestaltet? Und Sex-Sells mag bei vielen Produkten defintiv zutreffen – aber nicht allen! Es gibt auch Seminare, wo man sowas alles lernen kann, oder besser, Schulen, Unis etc.!

Tut mir einfach leid um die Bäume. Und die Ureinwohner.