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Öko Mehrwert?

Wednesday, April 29th, 2009

Um es im Sinne Shakespeares zu sagen: Bio oder nicht Bio, das ist hier die Frage. Seitdem es bei jedem anständigen Discounter diverse Produkte mit dem Bio-Siegeln gibt, frage ich mich als Endverbraucher, ob das Extra an Geld mir auch das Extra an Geschmack oder Qualität liefert, dass ich erwarte.

Ein Kriterium wäre der Geschmack. Geschmacklich kann ich leider nur auf einen kleinen Querschnitt aus Erfahrungen verweisen, die wenig repräsentativ sind. Trotzdem ein Tip vorab: Finger weg von Bio-Erdnussbutter, da stimmt einfach gar nichts… Geschmack, Farbe, Konsistenz, alles baba. Okay jetzt wieder so qualifiziert es geht

In Deutschland gibt es das EG-Biosiegel, das von 3.197 Unternehmen auf 52.928 Produkten verwendet wird [bio-siegel.de], sowie eine weitere Bandbreite von Biosiegeln von Verbänden und Vereinen, wie z.B. das Bioland- oder demeter-Siegel. Etiketten sind ja bekanntlich eine gute Sache, aber was steckt dann dahinter?

bio

Was die gelegentlich bemerkbar bessere Qualität angeht – es gibt zwar nicht von unabhängiger Quelle, aber einer Institution die sich eben auch eine fettes BIO auf die Fahnen geschrieben hat, dem Bioland-Verband, einen Vergleich [pdf], der zeigt, was bei dem EG-Biosiegel noch drin sein darf und welche Normen sich die Bioländler (selbst) auferlegen. Der Vergleich ist sehr erhellend und macht zweifeln, ob der teilweise herbe Preisbonus bei dem EG-Siegel den teilweise recht herben Preisunterschied zu 08/15-Produkten rechtfertigt. Bei Biosupermärkten einzukaufen lässt einem ja manchmal das Portemonnaie bluten, wie beim Mineralwasserkauf in der Apotheke.

Nun denn, beim EG-Siegel, hat man die Garantie, dass nichts bestrahlt, gentechnisch verändert oder mit synthetischen Pflanzenschutzmitteln bearbeitet wurde. Das ist etwas. Bei der Fleischproduktion sind die Regeln aber teilweise recht lax und von artgerechter Haltung ist man weit weg – so dürfen noch 16 Masthennen mit einem Lebendgewicht von nicht mehr als 30kg auf einem qm untergebracht werden. Auch bei den Schweinen hat ein Vieh von max. 50kg immerhin 0,8m Stallfläche und 0,6m Außenfläche zur Verfügung – watn Luxus. Immerhin die Biester sehen die Sonne (bevor sie sich wieder im Stall gegenseitig aufessen). Bei Bioland siehts da durch die Bank weg besser aus! Besonders gut finde ich dass die auf den Kuhtrainer (allein das Wort schon) verzichten, der die Kuh mit Elektroschocks zwingt sich beim Harnen und Koten *rofl* in einen Graben zu entleeren! Da ist klar wo der Preisunterschied herkommt, wenn der Bauer von Hand entmisten muss…

Genau nachschauen, was nach der EG-Öko-Basisverordnung erlaubt ist und was nicht kann man auf der Seite vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Dort findet man auch die Infos zu Pestiziden, Stallflächen etc. [BMELV]

Insgesamt schaut es also so aus, als ob man bei dem EG-Bio-Siegel schon mal “natürlicher” wegkommt, als bei “herkömmlichen produzierten” Produkten – es dürfen aber immer noch eine ganze Reihe von Pestiziden eingesetzt werden, die Regelungen für Tierhaltung sind auch eher gut gemeint, aber nicht wirklich super. Wer auf Nummer sicher und sauber gehen will, greift zu Bioland-Produkten. Wer die Prise Esoterik auch beim Essen braucht, greift am Besten zu demeter, nur da bekommt man Sachen, die “eingebunden in biologische und kosmische Rhythmen” produziert wurden [demeter.de]. Ohne Pestizide reicht doch schon…

Was halt insgesamt irgendwie komisch anmutet, ist die Tatsache, dass ein dickes BIO auf Sachen steht, in denen immer noch Sachen erlaubt sind, die man nicht mit einem heile-Welt Biobauernhof verbindet. Was ist dann bloß in den Sachen drin, auf denen nicht mal das EG-Siegel prankt? Lieber nicht dran denken.

Für alle Mettwurstfans, ein Appetitverderber vom Nicht-Bio-Hof:

Ich frage mich gerade, wieviel Abzesse und Buckel und 3in1-Schweine ich schon gegessen habe. Die Mohammedaner haben recht – Schweinefleisch ist dirty. Aber momentan ist ja eh wieder Hühnerfleisch angesagt.

Postwurf

Saturday, March 7th, 2009

Als großer Fan von Supermärkten freue ich mich jede Woche auf die Postwurfsendung, die mich mit dem Allerlei an tollen Angeboten auf dem Laufenden hält. Zwar denke ich mir, dass es eigentlich eine kleine Sünde ist, soviel Papier zu verbrauchen um diese hochgradig professionellen Broschüren zu produzieren. Vor allem jetzt, wo sich auch das papierlose Büro als mieser Marketing-Gag entpuppt hat – www.daspapierlosebuero.de (s. Produkte). Wenn man sich bei den Postwurfsendungen mal beschaut was und wie da beworben wird, tut es einem noch viel mehr um die Bäume leid, die lieber Bibeln, oder zumindest Ken Follett Bücher hätten werden sollen.

Besonders aufregend sind diese Produkte, bei denen man sowohl nach Sinn als auch nach Nutzen nicht fragen braucht:

Karre

Diese faltbare Schubkarre erscheint praktisch auf den ersten Blick (Körpertransport), wenn man es sich aber genau überlegt, ist sie nutzlos! Wie soll man in diesen Stoffbahnen mit Rad bitte Bier kaltstellen? Was soll das? Dinge, die die Welt nicht braucht.
Bemerkenswert ist, dass der Artikel ohne jegliche Deko kommt, also ohne: Rasen, Frau, Mädchen, Himmel, Holz, Hecke, Einfamilien-3L-Fertighaus, Baum. Gut das darauf hingewiesen wurde (die Beschreibung “Faltbare-Schubkarre” ist auch wirklich nicht eindeutig)…

Dekokugel

Machen Sie Ihrem Mann eine Freude – Rasenmähen war noch nie so spassig. Immer drumherum um die Glitzerkugeln. Toll, wie die so die Sonne und Alles reflektieren, hui, Spiegelreflexe! Man kann sich sogar selber darin sehen, mit ganz großen Augen und dicken Backen – am Teich, in der Küche, überall. Dies ist ein Artikel aus der Reihe “Der faszinierte Ureinwohner” – nächste Woche gibt es ein 99-teiliges Glasmurmel-Set. Als Alternativwährung bei diversen Buschvölkern hoch im Kurs. *Aus hochklarem, durchsichtigem Fensterglas*

Das man sich in den Agenturen, die diese Faltbroschüren konzeptionieren auch über gesellschaftliche Themen Gedanken macht, machen die folgenden Anpreisungen deutlich!

Single

Ein großer Discounter bewarb so diese leckeren Fertigsandwiches. Lange grübelte ich über die verborgene Nachricht, die hinter diesem werbetechnischen Geniestreich steckt… War es der Gedanke “Haste keine Olle die dir ein Butterbrot schmiert – Kauf das!” oder eher “Bist du einsam und alleine – dann ist sowieso egal was du ißt”. Man weiß es nicht. Find’ ich aber schonmal nen guten Zug, was Gesellschaftsrelevantes mit einzubeziehen – so wie hier, zum Thema Geschlechterverhältnis:

Das ist Emanzipation. Ordnung die rockt – ein Sauger in den teuflischen Farben der Ordnung. Wie es dazu kam:

Fotograf: “Drama Katlininka, genau, jeah, du hast Spass! Genau, mach weg den Dreck, jeah! Oh, du bist ja barfuß!”

Model: “Mir hat keiner Schuhe gegeben.”

Fotograf zu Assistent: “Klaus-Susi, komm her, hör’ auf mit der Maniküre – zieh deine Pumps aus!”

Assistent: “Och menno, der Fußboden in diesem Keller ist so kalt!”

Fotograf: “Hör’ auf zu nörgeln – hier Katlininka, zieh an die Puschen!”

Model: “Die sind zu groß.”

Assistent: “Ich sack’ mir einen auf.”

Fotograf: “Jetzt haltet’s das Maul, Herrgottsakra – ich bin total unterbezahlt für den Stress mit Euch… Komm’ dann machen wir jetzt das Bügelbrett!”

bugeln

Schön, das in Werberdeutschland die Geschlechterrollen noch traditionell verstanden werden! Da ist die Welt noch in Ordnung – Frau im Rock macht sauber, richtet die Sachen, für die Ihre kleinen zarten Hände gemacht wurden und das rockt und sie hat Spass!

leiter

Nein, Hilfe naht: Aber wenn’s mal schwerer zur Sache geht *hoho* dann ist auch schon der1500W starke Kerl am Start. How to sell a Abruchmeissel? Chippendalestyle!

bohrer

Uiuiui. Jedes Abibuch ist mit mehr künstlerischer Finesse und Kreativität gemacht… Gut, das kommt auch nur einmal raus und fertig. Aber diese Werbesendungen werden im Vergleich zu Abibüchern von x-tausend Personen gelesen, nicht nur von ein paar Familien! Warum werden da so schäbige Sachen gestaltet? Und Sex-Sells mag bei vielen Produkten defintiv zutreffen – aber nicht allen! Es gibt auch Seminare, wo man sowas alles lernen kann, oder besser, Schulen, Unis etc.!

Tut mir einfach leid um die Bäume. Und die Ureinwohner.