Quer gelesen
Wednesday, August 12th, 2009Dieser Tage auf Spiegel-Online…
“Es war einer der letzten großen NS-Prozesse, der Angeklagte Josef Scheungraber bestritt stets die Vorwürfe – nun ist der frühere Wehrmacht-Kompaniechef in München zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Er war 1944 für die Ermordung von zehn Italienern in der Toskana mitverantwortlich, so das Gericht.
München – Der 90 Jahre alte Josef Scheungraber ist am Dienstag in München wegen zehnfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Schwurgericht war nach knapp elfmonatiger Beweisaufnahme überzeugt, dass der damalige Kompaniechef eines Gebirgspionierbataillons 1944 in der Toskana den Befehl zu einem Vergeltungsschlag für den Tod zweier Soldaten gegeben hat. Insgesamt 14 italienische Zivilisten starben.
Der Angeklagte hatte die Vorwürfe während des elf Monate dauernden Verfahrens stets bestritten. Die drei Verteidiger von Scheungraber plädierten für ihren Mandanten vergeblich auf Freispruch. Die Staatsanwaltschaft und nun auch das Gericht sahen es hingegen als erwiesen an, dass Scheungraber maßgeblich an einer Racheaktion an Zivilisten nach einem Partisanenüberfall auf drei deutsche Soldaten beteiligt war.
…
Josef Scheungraber soll demnach Ende Juni 1944 als Kompanieführer im Gebirgspionierbataillon 818 im italienischen Falzano di Cortona, zwischen Arezzo und Perugia gelegen, den Befehl zu zwei Vergeltungsanschlägen für einen Partisanenangriff gegeben haben. Als Leutnant soll er seine Männer beauftragt haben, “die Gegend systematisch zu durchsuchen und mehrere angetroffene, vorwiegend männliche Personen festzunehmen”, sagte Staatsanwalt Hans-Joachim Lutz. Wer sich der Festnahme entzog, sollte auf der Stelle erschossen, die Festgenommenen an einen zentralen Ort gebracht und dort getötet werden.
…”
Quelle: [spiegel.de]
“Chaim Miller bereut bis heute nichts von dem, was er als junger Mann im Sommer 1945 in Norditalien getan hat. “Damals war es genau das Richtige”, sagt der 88-Jährige ohne zu zögern. Genau das Richtige bedeutete: Entführen, vernehmen, hinrichten. Heute zählt er viele Deutsche zu seinen Freunden und würde so etwas niemals wieder tun, “doch nach dem Krieg waren die Bedingungen völlig anders”. Es habe keinen Staat Israel und kein funktionierendes Rechtssystem gegeben, das die deutschen Verbrechen angemessen hätte verfolgen können. Miller und seine Mitstreiter quälte das Gefühl, dass nur ein paar NS-Größen festgenommen wurden. “Die anderen hat man einfach laufen lassen.”
…
Soldaten der “Jüdischen Brigade” blieben nach Kriegsende in der italienischen Kleinstadt Tarvisio an der Grenze zu Österreich, um zu helfen, jüdische Flüchtlinge nach Palästina zu schleusen. Gleichzeitig bildeten sich kleine Trupps, die nach SS-Leuten mit blutiger Vergangenheit fahndeten. “Wir erhielten Tipps und Namen von Titos Geheimdienst”, erzählt Miller. Um nicht aufzufallen, verdeckten die jüdischen Soldaten den Davidstern, der sonst stolz auf ihrer Uniform prangte. Sie wollten aussehen wie normale britische Soldaten.
Die Nazi-Jäger fuhren über die Grenze nach Österreich, gaben sich als britische Militärpolizisten aus und luden gefangene SS-Männer auf ihre Wagen, vorgeblich um sie zur Vernehmung zu bringen. Dann kehrten sie zurück über die Grenze und fuhren in entlegene Waldstücke. “In dem Moment ahnten die meisten, dass wir keine britischen Polizisten sind”, erinnert sich Miller. “Sie hatten Angst.” Die Entführten wurden verhört, manchmal stundenlang. Man suchte nach verräterischen Blutgruppen-Tätowierungen unter dem Arm, die nur SS-Angehörige hatten. Manche leugneten alles, andere waren geständig. Am Ende urteilte ein Standgericht und verlas ein Todesurteil – “im Namen des jüdischen Volkes”.
Was anschließend geschah, nennt Miller nicht beim Namen. Er umkreist es mit Andeutungen, spricht nicht von Exekutionen, sondern von “Dingen”, die dann passiert seien. “Sie haben für ihre Verbrechen bezahlt. Sie sind alle im Wald geblieben.” Bei zehn Hinrichtungen sei er anwesend gewesen. Einmal habe er selbst abgedrückt. Nur einen Mann ließ seine Gruppe wieder frei, weil sie sich nach dem Verhör unsicher geworden waren. “Wir wollten nur die bestrafen, die nachweislich Verbrechen begangen haben”, sagt er.
…”
Quelle [einestages.spiegel.de]