Im Folgenden ein unabhängiges subjektives Review des Blackberry 8900 Curve.

Verarbeitung / Qualität / Lieferumfang

Das BB Curve ist insgesamt recht gut verarbeitet, der Metallrahmen auf der Vorderseite verleiht dem Gerät ein solides Aussehen, auch die hochglänzenden Plastikteile der Front sind gut und nahtlos verarbeitet, da wackelt und knarzt nichts. Die Tasten haben kein Spiel und einen angenehmen „knackigen“ Druckpunkt. Sehr angenehm ist auch der Druckpunkt der Navigations-„Perle“.

Getrübt wird der sehr wertige Eindruck nur durch die alles andere als hochwertige Rückseite. Der Akkudeckel im gebürsteten Aluminium-Look ist aus einfachem Plastik gefertigt und bewegt sich 1-1,5 mm auf Druck hin und schließt daher unsauber ab. Insbesondere an der Kamera macht sich dies durch eine 1 mm hohe Kante bemerkbar, in der sich leicht Staub sammeln kann (gerade rund um die Kamera herum etwas ungünstig).
Zumindest die Flexibilität des Deckels kann man relativ einfach beheben (später mehr), jedoch macht das Thema Akkudeckel etwas stutzig, da die Qualität des Gerätes ansonsten außerordentlich gut ist.

Im Lieferumfang ist zusätzlich zum Gerät ein ordentlich verarbeitetes Kabelheadset sowie ein Ladegerät mit austauschbarem Steckeraufsatz (GB+EU) enthalten. Des Weiteren gibt es ein Funktions-Lederholster dazu (später mehr).

Benutzung / Usability

Weiter gehts mit Äußeres / Hardware…

Äußeres / Hardware

Blackberry steht für Business wie Tempo für Taschentücher. Dies merkt man bereits beim Einschalten – in nicht einmal 3 Sek. ist das Telefon bereit zur PIN-Eingabe und nach ca. 25 Sek. kann es mit dem nächsten Telefonat losgehen. Als weiteren Businessfaktor hatten viele Blackberrys bis vor kurzem immer die gut bewährte Qwertz-Tastatur und Navigations-Perle an Bord, erst die neueren Modelle ergänzen diese durch einen touchfähiges Display. Die Tastatur des Curve ist sehr gut zu handhaben, die Druckpunkte angenehm und das Layout durch beinahe 1 zu 1 Anlehnung an normale Keyboards sehr vertraut. Einzig die Umlaute fehlen (leider). Mit dickeren Fingern ist die Tastatur etwas fummelig zu bedienen und auch die leichte Neigung der Tasten nach links und rechts (von der Mitte aus betrachtet) hilft kaum. Dies wurde bei anderen Modellen bereits verbessert – Die Tasten sind größer und die Neigung ist stärker – siehe BB 9000 Bold. Sehr praktisch ist die gut angebrachte Entsperren Taste an der linken Oberseite des Geräts, die sich mit beiden Händen gut erreichen lässt und das Gerät aus dem Schlaf holt bzw. die Codeeingabe zum Entsperren ermöglicht. An der rechten Oberseite gibt es den „Ablehnen“-Knopf, mit dem man je nach Einstellung ein ankommendes Gespräch auf lautloses Klingeln oder gleich auf die Mailbox verweisen kann.

In Zeiten von Geräten die mittlerweile in jeder Preisklasse mit touchfähigen Displays aufwarten, lädt ein 280-EUR Gerät (Strassenpreis), dass nur über eine trackballartige Steuer-„Perle“ verfügt, zu Skepsis ein. Diese Skepsis ist jedoch vollkommen unberechtigt. Die Steuer-„Perle“ ermöglicht entspannteres und präziseres Navigieren als mit so manchem resistiven Touch-Display. Die Auswahl von Menüpunkten erfolgt geschmeidig und ein Verwähler ist schnell korrigiert. Ein gefühlter Riesenvorteil ist, dass man nicht wie bei herkömmlichen Steuerkreuzen 15x Klicken muss, um vom Menüanfang zum Ende zu kommen. Man klickt die Perle nur einmal, wenn man ans Ziel „gerollt“ ist. Auch die BB-Menütaste (links der Perle) und die Zurück-Taste (rechts) sind sehr praktisch und durch ihre Größe angenehm zu erreichen.

Die Tasten und deren Anordnung ermöglichen insgesamt ein einwandfreies einhändiges Bedienen des Gerätes (sowohl für Links- als auch Rechtshänder), nur beim Schreiben sollte man mit beiden Daumen zu Werke gehen. Die Möglichkeit die beiden seitlichen Tasten frei mit Funktionen zu belegen schafft ein zusätzliches Ergonomie-Plus, das viele andere Hersteller leider durch Reduzierung der Hardware-Knöpfe zu Gunsten des Designs vermissen lassen.

Das Display ist mit seinen 480×360 Pixeln ist eine Freude für die Augen und die Displayoberfläche ist aus demselben, leicht speigelnden Material wie die darüber liegenden Teile. Das Display bietet einen hervorragenden Kontrast und ist auch in heller Umgebung gut ablesbar.

Ein weiterer großer Pluspunkt ist die Ton- und Gesprächsqualität – man wird beim ersten Telefonat angenehm überrascht.
Beim normalen Gespräch in lauter Umgebung, auf einer Messe zum Beispiel, kann man den Gesprächspartner hervorragend verstehen. Dies ist der aktiven Geräuschreduzierung gedankt, die komischerweise nicht mal von RIM selber als Feature genannt wird [de.blackberry.com]. Bemerkbar macht sich diese „Noise Cancellation“, indem durch ein zweites Mikro auf der Rückseite des Gerätes die Umgebungsgeräusche aufgenommen und herausgefiltert werden (Man lese den grauenhaften , die Pressemitteilung zitierenden Review bei [blackberryreviews.org.uk]). Gefühlt wird so eine Art „Ruhezone“ um das Ohr am Telefon kreiert – anders kann man es schwer beschreiben – im Ergebnis führt dies dazu, dass man den Gesprächspartner klar und sehr deutlich verstehen kann, ohne dass dies durch ein einfaches Hochregeln der Lautstärke auf Gehörlosenniveau erfolgt. Diese Funktion kennt man unter verschiedenen Namen sonst von teureren Bluetooth Headsets (>50 EUR), dass dieses extrem angenehme und nützliche Feature in dem Gerät bereits integriert ist, macht wahre Freude beim Telefonieren!
Auch die Freisprechanlage kann überzeugen, klarer Ton, verzerrungsfreie Wiedergabe und auch die Lautstärke lässt keine Wünsche offen.

Entwöhnt durch moderne UMTS-Smartphones überrascht das Curve als wahres Wunder in Sachen Akkulaufzeit. Die Batterie hält bei mäßiger Nutzung – häufiges Draufschauen, Display an/aus, Mails checken, Termine verwalten, wenig telefonieren – ca. 1 Woche (!). Bei häufigerem Telefonieren und intensiver Nutzung (WLAN, BT-Headset etc.) kommt man immerhin noch auf gut 3-4 Tage Standbyzeit. Voll Geladen ist der Akku in knapp 2h.

Dies sind Werte von denen man in iPhone-Zeiten nur träumen kann. Dieser Umstand ist nicht zuletzt dem zwar hochauflösenden, aber kleinen Display, anscheinend sparsamen System und insbesondere den (nicht) unterstützen Mobilfunkstandards geschuldet. Das Curve beherrscht nur GPRS und EDGE – das akkufressende UMTS-Protokoll wird nicht unterstützt.

Zum Thema Akkudeckel: Er lässt sich etwas eindrücken und ist auf Grund seiner dünnen Plastikbeschaffenheit spürbar flexibel. Dies macht sich insbesondere bemerkbar, wenn man auf die Navi-Perle drückt, die zu Anfang noch etwas mehr Druck benötigt, sich dann aber etwas „einklickt“. Das Nachgeben des Deckels kann man beseitigen, indem man das innen aufgeklebte Schaumstoffpölsterchen teilweise ablöst und faltet. So wird der Druck von innen gegen den Deckel erhöht und es ergibt sich ein handfesteres Gefühl. Der einzige Nachteil der bestehen bleibt, ist, dass die Staubfänger-Kante zur Kamera bestehen bleibt.

Das inkludierte Lederholster enthält zwei dünne Magnetringe, die vom Blackberry erkannt werden. Das Curve erkennt also, wann es im Holster steckt und wann nicht – so können in den Tonprofilen verschiedene Reaktionen auf Mails und Anrufe etc. festgelegt werden, wie „im Holster stumm“, „außerhalb Holster klingeln“. Auch das Display schaltet sich präzise ein und aus, wenn das Curve aus dem Holster gezogen bzw. eingeschoben wird. Das Display schaltet sich im Holster auch auf versehentlich Druck auf die Tasten nicht ein. Ein intelligentes Feature!
Einziger Nachteil: Die Magnete sind so stark, dass es wohl schon vorkam, dass Leute Ihre Hotelschlüssel und Parktickets damit unbrauchbar gemacht haben. Es gibt auch Leute die von diesem Holster-Problem und ihrer Kreditkarte berichteten, dies ließ sich jedoch nicht nachvollziehen. [newbbie.com]

Ein weiteres Bonbon ist das sehr geringe Gewicht, von ca. 110 g, welches ob der Funktionsfülle sehr gering ausfällt. Auch die Abmessungen sind mit 109x60x13,5 mm als kompakt zu bezeichnen. Das Gerät ist selbst inklusive Holster noch anzug- oder hosentaschenkompatibel.

Insgesamt kann die Hardware SEHR überzeugen, wäre da nicht der piffige Akkudeckel.

Inneres / Software

Am Betriebssystem ist nicht viel auszusetzen, das Menü ist klar strukturiert, veränderbar und man kann wie schon erwähnt diverse Menü-Funktionen auf Hardwareknöpfe legen. Die Menü-Optik ist dezent und übersichtlich.

Hervorzuheben ist die Funktion, die RIM / Blackberrys groß gemacht hat: Die Push-Mailfunktion. Die Nachrichtenverwaltung kann über Blackberry-Enterprise-Server (BES) mit Microsoft Exchange Servern abgeglichen werden. Mails die also auf dem BB gelesen werden, werden auch im Büro-Postfach als gelesen oder Wiedervorlage etc. markiert. Auch Kalendereinträge, Kontakte und Notizen werden permanent synchron gehalten. Ein Reisevorteil, da man stets unterwegs Zugriff auf seine Mails etc. Eine genaue Beschreibung des Dienstes und auch Verweise auf Kritik am System ob der Datensicherheit findet man bei Wikipedia [de.wikipedia.org]. Erwähnenswert ist auch, dass problemlos empfangene PDFs, MS Office Dateien angezeigt werden können – die Formatierung ist natürlich flöten, aber zentrale Infos kann man aus den Dokumenten herauslesen – und das Ganze von Haus aus, kostenlos, ohne Wenn und App. Keine Selbstverständlichkeit!

Mails werden in so komprimierter Form übertragen, das selbst geringvolumige Datenverträge ausreichen, erst beim Herunterladen von Anhängen oder dem Verfolgen von zugeschickten Links im Browser können zur Übertragung von größeren Datenvolumen führen. Mails kann man auch ohne „Unternehmensanbindung“ (also MS Exchange Server im Hintergrund) als Privatperson empfangen, Nachteil ist, dass man eine bestimmte Option buchen muss, für die, wenn überhaupt verfügbar, gesondert Kosten entstehen können:

„Der BlackBerry-Dienst lässt sich nur mit einer speziellen Option nutzen, die beim Mobilfunkbetreiber extra für die Mobilfunkkarte gebucht werden muss. Diese sogenannte „BlackBerry-Option“ beinhaltet eine Grundgebühr und eine Gebühr für das beauftragte Datenvolumen. Für den BlackBerry-Push-Dienst, bei ca. 500 E-Mails im Monat und Kalendernutzung von etwa 100 Einträgen die Woche, wird kaum mehr als 1 MB im Monat verbraucht.“ [de.wikipedia.org]

Einziger Minuspunkt bei der Bedienung ist die unelegante Lösung zum Eingeben von Umlauten. Diese kann man standardmäßig nur über Drücken der AOU-Tasten und gleichzeitiges Rollen der Perle eingeben. Es gibt zwar Hilfsmöglichkeiten über die Autotextfunktion, diese funktionieren aber nur sehr unkomfortabel durch Einfügen von z.B. „ae“ und Leerzeichen vorher und nachher, wobei die Abstände wieder gelöscht werden – sehr nervig wenn man z.B. „über“ schreiben möchte und das Wort an dem vorhergehenden klebt. Zwei Leerzeichen einfügen geht auch nicht, weil dann automatisch ein „.“ eingefügt wird. Dies kann man auch nicht deaktivieren. Mit anderen Worten: Umlaute eingeben ist sehr anstrengend und bei anderen Herstellern wesentlich eleganter gelöst (Buchstabe gedrückt halten etc.).

Surfen geht recht problemlos vonstatten, Seiten werden schnell aufgebaut (zumindest über Wifi) und die Navigation mit Hilfe der Perle geht vernünftig von der Hand. Wunder sollte man nicht erwarten, bei Seiten mit vielen Links und Buttons dauert das scrollen etwas länger, da jeder Punkt angewählt wird. Hier kann man Bedienkonzepten wie iOS und Android mit ihren Browsern nichts vormachen.

Auf der Softwareseite gibt es fast nichts auszusetzen, schade das etwas banales wie die Umlaute so sperrig gelöst ist.

FAZIT

Dass sich das RIM mit seinen Blackberry-Geräten eher auf den geneigten Geschäftsmann und weniger auf den kreativen, hippen surfwilligen iPhonenutzer zielt, verdeutlicht das Design des Curves mit der kompletten Tastatur und der gesamten Gerätekonzeption als langlaufendes, verlängertes Terminkalender-Kontakte-Postfach. Das Curve mag in den Augen einiger Betrachter keine Schönheit sein, es kommt jedoch auch nicht unelegant daher und kann definitiv mit seinen inneren und äußeren Werten überzeugen. Wenige Geräte können mit einer so langen Akkulaufzeit aufwarten, lassen sich ohne Touchscreen so angenehm bedienen und haben so eine erstaunliche Tonqualität bei Telefonaten.

RIM bietet mit dem Curve ein rundes Konzept in eleganter Schale, ein Gerät, dass Office-Funktionalität vom Feinsten bietet, verknüpft mit einem Feature, dass heute in Tests häufig nur noch eine tertiäre Bedeutung hat: eine hervorragende Tonqualität. Hinzu kommen die geringen Abmessungen und das handy Gewicht, Verzicht auf stromfressendes UMTS und ein potenter Akku bzw. ein genügsames System.

In Summe: Das Curve ist ein klasse Handy ohne Schnick-Schnack für Geschäftsleute und alle, die Ihr Büro oder zumindest die Verbindung dorthin immer dabei haben müssen oder möchten und keine Lust haben, an jeder schmutzigen Flughafensteckdose zu kampieren.

Noten:
Hardware: 1,3
Software: 1,3

Fragen werden in den Kommentaren gerne beantwortet!
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