Neues aus der Welt der Pyramidensysteme
Steh’ ich beim Bäcker an, liegt da neben der BLÖD-Zeitung, auf dem Häufchen mit den Werbeauslagen vom lokalen Karateclub, der Einladung zum Diavortrag “Unglaubliches Dänemark” und den anderen bunten Flyern, einer von “XanGoTM-Juice”. Name hört sich witzig an, mitgenommen. Beim Frühstück dann gelesen – Bonjour – ein nettes Pyramidensystem! An dieser Stelle soll jetzt keine Werbung gemacht werden, aber das ist einfach alles zu überzeugend!
Der Flyer ist schon mal die Wucht. Layout by MS Word, Rechtschreibkorrektur off, Glaubwürdigkeit off.
Das Dilemma
- massenhaftes Anfluten von Freien Radikalen – hoch aggressive zerstörungswütige Sauerstoffverbindungen die, bei ungehinderter Ausbreitung die Zellen attackieren, schwächen, entarten oder absterben lassen. [...]
Es fehlt der zweite Punkt, eine Alternative, ein Entscheidungsproblem. Aber gut, wer mehrere Leerzeichen zwischen Worten einbaut, „freie“ für ein Nomen hält und so wissenschaftlich argumentiert…
“Übermass tut nicht gut!”
Maß ohne “ß” auch nicht.
“Beim Leistungssport steigert sich die Radikalbelastung auf bis zu 600%!”
Ahso…
In dem Stile geht es locker weiter. Super-Antioxidanzien helfen “Freie Radikale” einzufangen, die Mangostan ist ein uraltes Heilmittel in Asien, diverse Persönlichkeiten aus der Sportwelt schwören auf Xanthone, das sind “Super-Antioxidanzien” usw. … Jipi!
Wie man im Internetz lernen kann, ist Multi-Level-Marketing mittlerweile nicht mehr so verpöhnt oder gar verboten, wie die böse Stiefschwester des MLM, das Schneeball- oder Pyramidensystem [wikipedia.de]. Problem ist, dass die Abgrenzung schwerfällt. Zum Beispiel könnte es sich um eine dieser bösen Stiefschwestern handeln, wenn das Produkt, das verkauft wird, einen zweifelhaften Nutzen hat. Bei XanGo, dem Extrakt aus der Mangostan-Frucht handelt es sich aber natürlich um ein Produkt, das über jeden Zweifel erhaben ist!
Deshalb fehlen auch auf jeder Website, die mit dem Produkt XanGoTM assoziiert ist, Links oder Hinweise auf wirkliche medizinische Studien, oder diese sind mit hübschen Photoshop-Bildern veranschaulicht [xango.com]. Und weil es defintiv um ein Superprodukt und das Wohl der Menschheit geht, findet man unter der Kontakt-Website, die auf dem Flyer angegeben ist, nur eine Seite á la “Ihr perfekter Nebenjob, kein Risko, kein Spam” [mbbischof.com].
Weitere Recherche offenbart wuchtigeres: Auf der Seite von XanGo selber findet man unter “Businessleitfaden” nicht etwa die Strategie, sondern gleich die Kontakt- und darunter die Bestelladresse, wo man den Super-Mehrfruchtsaft für günstige 127,- EUR die Kiste ordern kann. So stell ich mir das auch immer vor, “Geschäftsidee: Bestelladresse”. [xango.de] Für Zahlungen wird bei Bestellungen immer 5,- EUR berechnet, – ist ja auch ganz normal heutzutage, wo doch Bargeld lacht!?! Die Vertriebsmitgliedschaft kostet nur 20,- EUR fürs Jahr, alle Gebühren für Mailings sind darin schon inbegriffen… (Was‘n Glück, die Emails sind umsonst!). Bei Provisionszahlungen wird auch nochmal was abgezogen – klar, bei dem Aufwand, den man mit Internet-Banking heutzutage hat.
Die Provisionen für “Vertriebspartner” sind aus einem einfach zu verstehenden Plan zu entnehmen, alles ganz durchsichtig [xango.de]! “… die Unternehmungsführung und die Vertriebspartnerschaft teilen sich den Umsatz 50/50.” [xango.de] Das versteht jeder sofort! 1 Million Vertriebler machen die Arbeit und teilen sich ihre Häfte vom Umsatz und die obersten acht Gründungsvetter die andere Hälfte. Klingt gut. Fast so gut wie eine Heilsreligion dessen Science-Fiction-Buchautor-Gründer ich hier nicht nennen möchte. Sehen auch alle gesund und munter aus die Gründungsväter von dem Club, vielleicht wirkt der GeldFruchtsaft ja doch. [xango.com]
Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, der bunte Fruchtcocktail aus dem ganzen Baum mag ja lecker, auch natürlich (so natürlich wie Fruchsaftkonzetrat eben ist) und gesünder sein als Vieles was man sonst bekommt, wenn man ~25 – 30 EUR für eine Flasche mit 750 ml hinlegt (Bubbley?). Aber sorry, die Präsentation und was hier versucht wird, wie und zu welchem Preis zu verkaufen macht einfach einen von A -Z unseriösen Eindruck (nur Firmenadressen im Ausland, keine richtigen wissenschaftlichen Referenzen, Kundenansprache á la “werde finanziell unabhängig mit etwas Leckerem”, Preise vom Mond etc.).
Und warum eigentlich nicht “Tahitian-NoniTM-Juice”? [noni-zeit.de]
Ergo: Finger weg von “TM-Säften”.



[...] This post was mentioned on Twitter by Nebenjobber, fiesemu. fiesemu said: New blog post: Neues aus der Welt der Pyramidensysteme http://www.aristophrenia.com/neues-aus-der-welt-der-pyramidensysteme/ [...]
Das hast du aber ganz gut beschrieben. Nämlich wie man es im Network nämlich nicht machen sollte.
Network ist gerade in der heutigen Zeit eines der wichtigsten und einfachsten Instrumente, um ein sinnvolles, ertragreiches Geschäft aufzubauen.
Ich spreche von aufbauen. Und damit meine ich, dass man sich dafür 3 Jahre Zeit geben muss,um ein passives Einkommen aufzubauen, von dem auch leben kann ohne zu hart zu arbeiten.
Allerdings ist es nicht notwendig, Produkte zu verkaufen oder Menschen hinterherzurennen. Mit SOG-Marketing schafft man es, dass Menschen auf einen zukommen.Ich hoffe damit das Schreckgespenst Network Marketing etwas transparenter zu machen.
Herzlich
Hugo Casutt
Galube kaum das die unserjös sind, Man muss nur ein wening nachforschen.
http://www.mangostan-institut.com/
http://www.firstclassmlm.de/
Einfach weil man was nicht versteht was schlecht zu machen ist schon NAIV!
Servus seriös,
Ich galube auch nicht dass die unseriös sind, die haben bestimmt ein sehr seriöses Abrechnungs- und Finanzsystem aufgebaut. Die gibt es wirklich und den Zaubersaft kann man auch WIRKLICH für REALES Geld kaufen…
Das mit dem Nachforschen habe ich getan, aber irgendwie finde ich nichts, was wirkliche, begründete wissenschaftliche “Beweise” darstellt, was die Wirksamkeit von dem Saft darstellt. Und das “faire” übersichtliche Provisions- und Gebührensystem sind Fakten, da brauch ich nicht forschen…
EDIT: Die wissenschaftlichen Studien, die sich mit der Wirksamkeit der Mangostan-Frucht beschäftigen scheinen alle eine antioxidative, antibakterielle Wirkung zu bestätigen. Frage ist dann, ob das außer im Reagenzglas auch noch beim Menschen funktioniert: “It is yet to be studied in humans. However, despite lack of clinical evidence, mangosteen products are marketed to cancer patients as dietary supplements.” (link von oben). Nächste Frage ist, ob Püree / Konzentrat aus dieser Frucht, die getrunken wird, dann noch die Effekte hat, die in klinischen Studien mit Fruchtextrakten ohne menschliche Verdauung im Spiel beobachtet werden.
Hat jemand was Konkretes (Studien, Beweise), was nicht von der FanGo-Connection in Auftrag gegeben wurde?
Na wenn Du auf der Seite nichts findest
http://www.mangostan-institut.com/
So ist es halt Dein Problem. Aber Dein Artikel und Deine schreibweise zeigen, dass du negativ voreingenommen bist.
Für Dich passt einfach der Artikel: http://www.firstclassmlm.com/de/2008/03/10/woher-wissen-sie-auf-welchen-rat-sie-sich-verlassen-konnen-wenn-sie-sich-uber-mlm-schlau-machen/
PS: auf der Seite hat es nur einen Auszug zur Mangostan und Wissenschaft. Besuche doch mal neinen Internetkurs mit Google
oder
Verwendete und bezugnehmende Quellen sowie weitergehende Literatur und wissenschaftliche Studien:
- Du et al., A Research Note : Anthocyanins Of Mangosteen : Garcinia mangostana, 42 J. Food Science No.6,pp.1667-68 (1977).
- Yaacob Et Al., Mangosteen Cultivation, Plant Production And Protection Paper, pp. 10-13 (Food and Agriculture Organization of the United Nations) (1995).
- Duke et al., CRC Handbook of Alternative Cashcrops,pp. 257-59 (CRC Press) (1993).
- Dahanukar et al., Pharmacology of Medical Plants and Natural Products, Indian Journal of Pharmacology,p. S96 (2000).
- Shankaranarayanan et al., Effect of Mangosteen, a Xanthone from Garcina mangostana Linn. In Immunopathological and Inflammation Reactions, 18 Indian Journal of Experimental Biology, pp. 843-46 (1980).
- Mahabusarakam et al., Inhibition of Lipoprotein Oxidation by Prenylated Xanthones Derived from Mangosteen, 33 Free Rad Res., pp. 643-59 (2000).
- Fan et al., Antioxidative Mechanism of Isolated Components from Methanol Extract of Fruit Hulls of Garcinia mangostana L., 35 J. Chinese Agricultural Chem. Soc. No.5, pp. 540-51 (1997).
- Chen et al., Active Constituence Against HIV-1 Protease from Garcinia mangostana, 62 Planta Medica, pp. 381-82 (1996).
- Mahabusarakam et al., Antimicrobial activities of Chemical Constituents from Garcinia mangostana Linn., 12 J. Sci. Soc. Thailand, pp. 239-42 (1986).
- Jinsart et al., Inhibition of Wheat Embryo Calcium-dependent Protein Kinase and Other Kinases by Mangostin and ß-mangostin, 31 Phytochemistry No. 11, pp. 3711-3713 (1992).
- Chen et al., Active Constituents Against HIV-1 Protease from Garcinia mangostana, 62 Planta Medica, pp. 381-82 (1996).
- Chairungsrilerd et al., Mangostanol, A Prenyl Xanthone From Garcinia mangostana, 43 Phytochemistry No.5, pp. 1099-1102 (1996).
- Peres et al., Tetraoxygenated Naturally Occuring Xanthones, 55 Phytochemistry, pp.683-710 (2000).
- Marona et al., Pharmacological Properties of Some Aminoalkanolic Derivatives of Xanthone, 56 Pharmazie, pp.567-572 (2001).
- Nakatani et al., Inhibition of Cyclooxygenase and Prostaglandin E2 Synthesis by ß-mangostin, A Xanthone Derivative in Mangosteen, in C6 rat glioma cells, 63 Biochemical Pharmacology, pp. 73-79 (2002).
- Harborne & Baxter, Phytochemical Dictionary- A Handbook of Bioactive Compounds from Plants, pp. 582, (Taylor & Frost, London) (1983).
- Morton, Julia F. “Mangosteen”, Fruits of Warm Climates. 1987 pp.301-304.
- Yoshikawa M., Harada E., Miki A. Tsukamoto K., Liang S. Yamahara N., Murakami N. 1994. “Antioxidant constituents from the fruit hulls of Mangosteen (Garcinia mangostana L.)” Originating in Vietnam. Yakugaku Zasshi. 114:129-133.
- Sundaram BM, Gopalakrishnan C, Subramanian S, Shankaranarayanan D, Kameswaran L. “Antimicrobial activities of Garcinia mangostana”, Planta Med 1983 May; 48(1): 59-60.
- Iinuma M., Tosa H., Tanaka T., Asai F., Kobayashi Y., Stimano R., Miyauchi K. “Antibacterial activity of xanthones from guttiferaeous plants against methicillin-resistant Staphylococcus aureus”, J Pharm Pharmacol 1996 Aug;48(8): 861-5.
- Chen S.X., Wan M., and Loh B.N. „Active constituents against HIV-1 protease from Garcinia mangostana“, Planta Med, 1996Aug;62(4): 381-382.
- Gopalakrishnan G., Banumathi B., Suresh G. “Evaluation of the antifungal activity of natural xanthones from Garcinia mangostana and their synthetic derivatives”, J Nat Prod 1997 May;60 (5): 519-24.
- Bonnie Tay Yen Ping. “Chemical constituents of Garcinia mangostana, G. Parvifolia, G. griffiti, and G. diversifolia (Guttifera e) and their biological activities. Dissertation from University Putra Malaysia, 1996.
- Michio Fujihara, Yumiko Kurata, Yasuyuki Kosaka, Prasit Chanarat, Terukazu Nagumo “Antitumor polysaccharides from the pericarp of mangosteen”. Bull Chiang Mai Assoc Med Sci, Vol.30, Supplement No.1 1997.
- Chanarat P., Chanarat N., Fikojara M., Nagumo T. (1997) « Immunopharmacological activity of polysaccharide from the pericarp of mangosteen garcinia; phagocytic intracellular killing activities » J Med Assoc Thai,1 : S149-154.
- O.I. Shadyro et al. (2002) « Quinones as free radical fragmentation inhibitors in biologically important molecules ». Free Radical Research, 36(8), pp. 859-867.
- Jang M.S., Cai E.N., Udeani G.O., Slowing K.V., Thomas C.F., Beecher C.W.W., Fong H.H.S., Farnsworth N.R., Kinghorn A.D., Mehta R.G., Moon R.C., Pezzuto J.M. 1997 “Cancer chemopreventive activity of resveratrol, a natural product derived from Grapes”. Science, 275, 218-220.
Hallo seriös,
bist du Lebensmittelchemiker, Professor oder sonst irgendwie mit dem Anfertigen von wissenschaftlichen Studien vertraut? Wie du vielleicht gesehen hast, habe ich deine links schon nach deinem ersten Kommentar angeschaut und dies geschrieben:
“EDIT: Die wissenschaftlichen Studien, die sich mit der Wirksamkeit der Mangostan-Frucht beschäftigen scheinen alle eine antioxidative, antibakterielle Wirkung zu bestätigen. Frage ist dann, ob das außer im Reagenzglas auch noch beim Menschen funktioniert: “It is yet to be studied in humans. However, despite lack of clinical evidence, mangosteen products are marketed to cancer patients as dietary supplements.” (link von oben). Nächste Frage ist, ob Püree / Konzentrat aus dieser Frucht, die getrunken wird, dann noch die Effekte hat, die in klinischen Studien mit Fruchtextrakten ohne menschliche Verdauung im Spiel beobachtet werden.
Hat jemand was Konkretes (Studien, Beweise), was nicht von der FanGo-Connection in Auftrag gegeben wurde?”
Das lass’ ich mal so stehen.
Du hast mir außer einer Liste von Studien in denen “Mangosteen” im Titel steht, nichts zu XanGo oder einem der anderen Wundertränke geschickt. Meine Hypothese: Teurer Mehrfruchtsaft ist ungleich Magostanextrakte / -präparate die in klinischer Forschung verwendet werden. Wie gesgat, ich lass mich vom Gegenteil belehren, wenn jemand eine ernsthafte Studie liefert, die die Wirksamkeit von diesen teuren Wundergetränken bestätigt.
UND ja, ich bin negativ voreingenommen, weil ich die Idee von MLM verstehe und ihr durchaus etwas abgewinnen kann. Tupperware z.B. finde ich sehr überzeugend. Da bekommt man aber gute Plastikdöschen zu einem angemessenen Preis und nicht irgendwelche Fruchtsäfte mit nicht nachgewiesener Wirkung für 30,- EUR die Flasche.
[...] “Super, endlich Rettung von meinen Schwimmringen”, denen seien auch die hervorragenden TM-Juices ans Herz gelegt. Die werden ähnlich intelligent beworben und sind genauso [...]