Eine Analogie
Wenn die Welt ein Spielplatz wär, dann wäre Deutschland das kleine, super angezogene aber sehr korpulente Kind mit der großen Klappe. Es sitzt zufrieden und rund in der Mitte der wohlgefüllten Sandkiste und freut sich seiner Förmchen und Spielzeuge.
Und wenn sich weit weg, hinten bei der Schaukel zwei andere magere Kinder anfangen die Köpfe mit ihren Schäufelchen einzuschlagen, wird erst mal vehement gepöbelt, man solle bitte aufhören – der Spielplatzfrieden sei in Gefahr. Fließt dann etwas Blut, wird lauthals weiter geschrien, aber eher in Richtung Mama und Papa, die dazwischen gehen sollen. Gegebenenfalls wird noch ein Fernglas angeboten um die Prügelei besser anschauen zu können. Gehen Mama und Papa dann dazwischen, wird noch hinterhergerufen, dass man Mama und Papa sehr lieb hat und auf jede erdenkliche Weise mit kluger Rede zu unterstützen gedenkt, aber aus der Sandkiste rausgehen käme gar nicht in Frage. Richtig auftrumpfen kann das dicke Kind, wenn Mama und Papa sich blutige Nasen geholt haben und die durch den Fetz zerstörte Schaukel wieder aufgebaut werden muss. Dann wird das Milchgeld von zu Hause gespendet und noch ein paar Bonbons für alle oben drauf. Libyen passt nicht so ganz in die Geschichte, vielleicht gerade noch als das besessene Kind mit Tourette und Fallsucht, was drauf und dran ist sich selber arg zu verprügeln.
Aus Mangel an Vorstellungskraft kehren wir in die reale Welt zurück: Deutschland als hochentwickeltes Land, bereits involviert in einen Konflikt im EU-nahen Ausland sichert jede Unterstützung zu, außer der, die gebraucht wird: ein paar schneidige Gebirgs- oder Was-auch-immer-jäger und schweres Gerät, um den Massenmord eines sich optisch arg in der Auflösung befindlichen Diktators an seiner Zivilbevölkerung zu verhindern. Sicherlich ist einer der Haupthinderungsgründe die ungünstige deutsche Verfassungslage, die ein Problem mit Einsätzen im Ausland hat, andererseits hat man sich über diesen Grund ja auch schon einmal hinweggesetzt. Nun gibt es sogar UN-Sanktionen und eine konzertierte Aktion einiger anderer besorgter Eltern gegen die vielen sinnlose Opfer – aber Deutschland, das dicke Kind hält sich lieber raus, es könnte ja Schrammen geben.
Liegt es daran, dass man mit Libyen in der Vergangenheit einfach zu sehr in der Sandkiste war und Angst hat wiedererkannt zu werden? Was wäre wenn man der Lage nicht Herr wird und Onkel Gaddafi, der ja stark verdächtig wird auch schon einmal einen Flugzeuganschlag (!) befohlen zu haben, so etwas noch einmal tut – in der Sandkiste! Bei Mama und Papa hat das schon einmal für eine Zimmerdurchsuchung auf Verdacht gelangt.
Resümee: Das dicke Kind scheint der Maulheld bleiben zu wollen, der es ist. Man übt sich lieber im Lollis-Verteilen, aber erst, wenn der Staub sich gelegt hat. Wenn aber erst mal wieder Frieden ist und das Öl in Ruhe gen Norden fließt, ist Deutschland wieder ganz vorn dabei. Denn wozu sonst werden die Historiker, Polizisten und Forensiker ausgebildet, die dann die Geschichte aufarbeiten und –schreiben, die übergebliebene männliche Bevölkerung als neue Rechtshüter ausbilden und in Massengräbern rumstochern um die Torsos zu zählen? Bei uns in der Sandkiste ist ja so wenig los. Aber so mögen wir es ja – alles andere wär auch schlecht fürs Schäufelchen-Geschäft…

Hey, das dicke Kind aus der Nachbarschaft hat tatsächlich mal deinen Block gelesen. Durchaus sympathisch. Klar scheint es – gerade im Fall Libyen – unangemessen, dass Klaus, Hans und Dieter nur pöbelnd am Rande weiterspielen, während John und Jacques ihre Schäufelchen schultern und sich ins Getümmel stürzen.
Andererseits bin ich aber auch oft sehr dankbar dafür, dass sich hier, seit den Zeiten der deutschen Möchtegern-Sandkasten-Könige, eine sehr skeptische Grundeinstellung gegenüber militärischen Auseinandersetzungen etabliert hat. Das hat uns zumindest im Fall Irak vor einer doch sehr unschönen Sandschlacht bewart und nicht ganz ungerechtfertigt sagen wir gerne zu Onkel Sam er könnte sich da mal ne Scheibe bei uns abschneiden.
Außerdem ist die große Leistung ja auch nicht, dem jeweiligen Arschlochkind auf dem Spielplatz eine zu verpassen und ihm sein Schäufelchen wegzunehmen, sondern dafür zu sorgen, dass er und alle anderen Kinder in Zukunft von sich aus nett zueinander sind. Natürlich ist es notwendig, dass Mami und Papi da sind und dazwischen gehen wenn es handgreiflich wird, aber das eigentliche Problem ist gute Erziehung. Es ist für Papi ein leichtes Ohrfeigen zu verteilen, aber dafür zu sorgen, dass ihr Kind eine selbstbewusstes, aufrechtes, rücksichtsvolles und umgängliches Mitglied der Gemeinschaft wird welches für sich selbst und auch für andere sorgen kann, dass ist für viele Eltern ein harter Job an dem sie regelmäßig scheitern.
Also du dickes pöbelndes Kind: Mach dir nen Kopf und mach es dir nicht zu leicht!