Archive for the ‘Politik’ Category

Polizeistaat Deutschland

Friday, May 15th, 2009

Eine Firma, die tolle Sicherheitslösungen für Jedermann und Jederfirma anbietet hat sich mal die Arbeit gemacht, zu beweisen, dass wir alle ihre Produkte brauchen [cryptohippie.com]. Dies hat sie über ein interessantes Ranking gemacht, in dem viele Faktoren zusammengefasst werden und in einem Index widerspiegeln, wie sehr ein Staat Polizeistaat ist.

crypto

Wenn man den kommerziellen Hintergrund ausblendet, handelt es sich aber durchaus um ein Ranking das nachdenklich stimmen sollte, da die berücksichtigten Faktoren u.a. sind:

  • Daily Documents
  • Telephone Data Retention
  • Anti-Crypto Laws
  • Financial Tracking
  • Loose Warrants

Einige von diesen Punkten wurden in D in letzter Zeit verschärft und die Entwicklungen sind besorgniserregend (vermehrte Kontenabfrage bei Banken, Vorratsdatenspeicherung). Laut diesem Ranking leben wir in einem leckeren Polizeistatt á la China – so schafft es Deutschland immerhin auf Platz 10 von 52. Spitzenreiter in Sachen Überwachung ist China, UK liegt auf Platz 5 vor den USA auf dem 6. Platz. Auswandern anyone?

Den kompletten Report gibts hier. Wer sich für die genauen Daten interessiert, die in den Report eingegangen sind, bekommt diese hier als Exceltabelle.

Thanks to: Mr. R. für den Tip

Gegen Indizierung von Internet Seiten!

Friday, May 8th, 2009

Es gibt eine Petition gegen die Novellierung des Telemediengesetzes, das vorsieht Internetseiten mit bestimmten Inhalten künftig zu sperren. Der Text der Petition lautet:

Wir fordern, daß der Deutsche Bundestag die Änderung des Telemediengesetzes nach dem Gesetzentwurf des Bundeskabinetts vom 22.4.09 ablehnt. Wir halten das geplante Vorgehen, Internetseiten vom BKA indizieren & von den Providern sperren zu lassen, für undurchsichtig & unkontrollierbar, da die “Sperrlisten” weder einsehbar sind noch genau festgelegt ist, nach welchen Kriterien Webseiten auf die Liste gesetzt werden. Wir sehen darin eine Gefährdung des Grundrechtes auf Informationsfreiheit.

Eine wichtige Hürde von 50.000 Unterzeichnern wurde nach 4 Tagen schon genommen [chip.de]. Unterzeichne die Petition ebenfalls hier! Für Freiheit im Internet – für Informationsfreiheit, gegen Zensur!

Dingdong – 13

Wednesday, April 1st, 2009

Das hat es jetzt geschlagen. Was soviel heißt wie, das Maß ist übervoll, die Wurst ist warm, der Frosch hat Locken usw.

Thema “Killerspiele”. Jüngst erließ der bayerische Minister des Innern Joachim Hermann, MdL folgende Presseerklärung – da diese so ungeheurlich ist, braucht sie hier etwas mehr Platz:

Innenminister Joachim Herrmann begrüßt, dass sich die deutsche Medienwirtschaft bei der erstmaligen Verleihung des deutschen Computerspielpreises heute in München für die Entwicklung kulturell und pädagogisch wertvoller Spielekonzepte und -inhalte ausgesprochen hat. Er will die Absichtserklärungen, für Qualität bei Computerspielen zu sorgen, beim Wort nehmen: “Ich fordere die Computerspielbranche auf, den schönen Worten endlich Taten folgen zu lassen und auf Herstellung und Vertrieb von Killerspielen in Deutschland freiwillig zu verzichten. Killerspiele gehören bislang zu den intensiv beworbenen Hauptumsatzträgern der Branche. Mit derartiger Tötungstrainingssoftware, die zum Beispiel von der US-Army zur Vorbereitung von Soldaten auf Kampfeinsätze verwendet wird, dürfen in Deutschland keine Geschäfte mehr gemacht werden.”
Für Herrmann ist es wissenschaftlich klar erwiesen, dass der andauernde Konsum derartiger Spiele, in denen Gewalt und Brutalität anders als bei Filmen aktiv ausgeübt und gesteuert wird, die Gewaltbereitschaft fördert und die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden, verkümmern lässt. “Damit sind derartige Spiele eine der Ursachen für die erschreckende Jugendgewalt und auch für Amokläufe, in den Szenen aus Killerspielen in die Realität übertragen werden.” Mit großer Sorge sieht Innenminister Herrmann auch die Suchtgefahr, die von derartigen Spielen ausgeht. “Immer mehr Kinder und Jugendliche versinken täglich stundenlang in dieser virtuellen Gewaltwelt. Für Schule und Ausbildung haben sie keine Zeit mehr und drohen, so für unsere Gesellschaft verloren zu gehen. Leider habe viele Eltern überhaupt keine Vorstellungen davon, welchen dauerhaften Schaden ihre Kinder hier nehmen.” Killerspiele widersprechen dem Wertekonsens unserer auf einem friedlichen Miteinander beruhenden Gesellschaft und gehören geächtet. In ihren schädlichen Auswirkungen stehen sie auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie, deren Verbot zurecht niemand in Frage stellt.

Quelle [innenministerium.bayern.de]

So. Fangen wir mal an. Es ist ein Kracher, welchen Neologismus wir hier begrüßen dürfen: Tötungstrainingssoftware. Dass soll die Software sein, mit der die US-Army Soldaten auf Kampfeinsätze vorbereitet. Aha. Gut das keine Spielenamen genannt werden, denn das ist so hahnebüchen, dass es kracht. Falls hier auf den umstrittenen Titel “America’s Army” alludiert wird, sollte sich der Herr Minister nochmal von einem neuen Beraterstab (hierzu später eine Empfehlung) beraten lassen. Bei diesem Titel handelt es sich nicht etwa um “Trainingssoftware”, sondern um ein ekelerregende Rekrutierungssoftware! Hierzu: [wikipedia.de] Ansonsten hätte ich wirklich gerne mal Titel genannt, die bestätigterweise zur Soldatenausbildung in den USA verwendet werden. Problem ist wahrscheinlich, dass die ganz geheim sind oder einfach nicht existieren. Hierzu ein sehr schönes Interview mit einem Berufssoldaten der BW: [gamestar.de]

Das Katastrophale ist die Argumentation, die hinter diesem Vergleich steht – Computerspiele desensibilisieren, machen aggressiv und man übt damit Dinge, die man dann in der Realität umsetzen oder anwenden kann. Also so, wie man durch eine Basket- oder Fußballsimulationen das Handwerkszeug zum NBA- Player bzw. Profikicker erlernt. Shit, ich hätte früher mit Sportspielen anfangen sollen, dann wäre ich jetzt reich und schlank und Pro-Player in den USA.

Besonders hervorzuheben ist, auf welche Stufe Computerspiele hier gestellt werden – auf die von “Drogen und Kinderpornografie”. Aber halt! Es geht ja nur um die schädlichen Auswirkungen – die da wären bei…

  • Drogen = Handel, körperliche Abhängigkeit, eventuell Prostitution, Beschaffungskriminalität etc.
  • Kinderpornographie = Kindesmissbrauch, Verbreitungskriminalität, psychische Folgen bei Opfern etc.
  • Computerspiele = Abhängigkeit? Konzentrationsprobleme? Dauerhafte Schäden? Ausscheiden aus der Gesellschaft? Jugendgewalt? Amokläufe???

Pfui, Herr Minister, Pfui (Wird viel zu wenig gesagt heutzutage). Hier wird offensichtlich mit einem völlig falschen Maß gemessen. Während man bei Drogen oder Kinderpornographie über die Folgen nicht diskutieren muss, ist dies bei Computerspielen dringenst angebracht. Da kommen wir auch schon zu dem Kern der Sache – eine ernsthafte Diskussion wird mit vernünftigen Argumenten geführt – sollte man vielleicht nicht unbedingt bei der bebilderten Tagespresse, aber durchaus von offiziellen Stellen wie einem Innenministerium, erwarten können. Das sollte bedeuten, dass man sich erst äußert, wenn man genügende und ausreichende Informationen vorliegen hat, die als Basis für ein Statement ausreichen.

Wenn einem also der Beraterstab so schlechte undifferenzierte Informationen zur Verfügung stellt, dass so eine Pressemitteilung wie oben herauskommt, dann muss ein neuer her. Wenn die Berater ordentlich gearbeitet haben, aber der Minister alles falsch versteht / verstehen will – ein Narr, wer böses denkt bei der Formulierung “Für Herrmann ist es wissenschaftlich klar erwiesen…” (für ihn schon, für wen noch?) – muss ein neuer Minister her.

Da einem so eine Pressemitteilung schon mal den Puls ins Ungesunde treiben kann, kurz zum Verantwortlichen der Mitteilung: Herr Hermann hat Jurist gelernt … äh, Jura studiert. [innenministerium.bayern.de] Da kann man vielleicht kurz das Nachsehen haben, wenn da die zitierte Wissenschaft ein Buch mit vielen Siegeln ist.

herrmann

Ist aber alles nicht so schwer – hier in Kurzform etwas Wissenschaftstheorie für den Juristen: eine Hypothese ist in etwa so, wie ein Angeklagter – so lange es keine hinreichende empirische Basis für ihre Bestätigung gibt, bleibt sie eine unbestätigte Hypothese. So wie der Angeklagte unschuldig bleibt, bis seine Schuld bewiesen ist. Außerdem: man spricht in der Wissenschaft nicht von “bewiesenen Hypothesen”, weil Beweise hießen, etwas mit 100% Sicherheit zu bestätigen. Dies ist also anders, als in der Welt der Strafverfolgung und Verurteilung von bösen Menschen – die schuldig sind, wenn es bewiesen ist, jemand dies sagt und mit dem Hammer auf den Tisch haut. Wobei man ja selbst da gelegentlich ins Zweifeln kommen kann – bei Wattestäbchen und so…

Was sagen “die Wissenschaftler” zu Killerspielen bzw. zur Hypothese Mediengewalt verursacht reale Gewalt? Eine sehr schöne Abhandlung hat das BMFSFJ in Kurzform (Langversion hier) zu “Medien und Gewalt” herausgebracht und, Wunder oh Wunder, hier äußert man sich sehr differenziert zu dem Thema! Da heißt es:

“In der Forschung herrscht inzwischen weitgehende Einigkeit darüber, dass der Zusammenhang zwischen Mediengewalt und Auswirkungen beim Rezipienten durch verschiedene Einflussfaktoren moderiert wird, die den Medieninhalt, die Person des Rezipienten und dessen soziales Umfeld betreffen.In Bezug auf den Inhalt sind v. a. Ausmaß und Grad der expliziten Darstellung von Gewalt, die Attraktivität des Gewalttäters, die Rechtfertigung von Gewalt und die Konsequenzen für die Täter, die Darstellung negativer Auswirkungen von Gewalt für das Opfer, die Darstellung von Waffen, der Realitätsgehalt, ein evtl. humorvoller Kontext sowie das Genre zu berücksichtigen. Bei den Personenvariablen sind v. a. Faktoren wie Alter, Geschlecht, sozioökonomischer Status, intellektuelle Fähigkeiten und Persönlichkeitseigenschaften (v. a. Aggressivität) untersucht worden. Im Hinblick auf das soziale Umfeld sind v. a. die Einflüsse von Familie, Schule und Peer-Groups sowohl im Hinblick auf den Medien(gewalt)konsum als auch auf die Vermittlung realer Gewalterfahrungen relevant.[Fettdruck fiesemu]“

Aha. Also kein monokausaler [eine einzelne Ursache ->Wirkung] Zusammenhang zwischen medialer Gewalt und Gewaltbereitschaft. Es scheint vielmehr, als ob es doch um recht komplexe Zusammenhänge geht. Ui, Komplexität ist natürlich ein heißes Eisen, Minister haben nicht viel Zeit, da muß Komplexität reduziert werden… Weiter heißt es:

“Das Kernproblem der Medien- und Gewaltforschung besteht darin, dass die Untersuchungen noch immer zu wenig aufeinander aufbauen bzw. ältere, methodisch problematische Befunde unkritisch rezipiert werden. [...] Weit reichende Übereinstimmung herrscht auch darüber, dass die Auswirkungen von Mediengewalt jedoch differenziert betrachtet werden müssen. Die Korrelationsmaße der meisten Untersuchungen sprechen für einen kleinen bis mittelstarken Zusammenhang zwischen Mediengewalt und Aggressivität des Rezipienten. Auch stellt Mediengewalt nur einen Faktor innerhalb eines komplexen Bündels von Ursachen für die Entstehung gewalttätigen Verhaltens dar. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass sich hinter einem geringen Einfluss für den Durchschnitt der Medieninhalte und Rezipienten durchaus stärkere Effekte für bestimmte Inhalte und bestimmte Rezipienten verbergen können. Nicht alle Medieninhalte wirken gleich, und nicht jeder Mediennutzer ist in gleicher Weise von potenziellen Gefahren der Mediengewalt betroffen.[Fettdruck fiesemu]“

Es gibt also noch andere Faktoren, die gewaltätiges Verhalten verursachen – interessant! Der Zusammenhang ist klein bis mittelstark! Außerdem gibt es Unterschiede, wie welche Inhalte auf welche Rezipienten wirken… Also machen Killerspiele nicht immer, allen Lust auf Amok? Das Bonmot zum Schluß – Ganz speziell für Herrn Hermann und alle, die gerne mal Einen unqualifiziert ablassen zu diesem Thema:

“Diese Folgerung aus der bisherigen Forschung zum Thema „Medien und Gewalt“ entspricht nicht dem Bedürfnis weiter Teile der Öffentlichkeit nach eindeutigen Antworten auf die Frage nach der Gefährlichkeit von Mediengewalt. Jede einfache Antwort auf die komplexe Entstehung von Gewalt und die Rolle der Medien dabei muss vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Befunde jedoch als unseriös betrachtet werden. Gewalt in den Medien darf in seinem Gefährdungspotenzial nicht verharmlost werden, es ist aber auch nicht angebracht, Mediengewalt zum Sündenbock für Gewalt in der Gesellschaft zu stempeln. [Fettdruck fiesemu]“

Muss dem noch etwas hinzugefügt werden? “UNSERIÖS” ist das Wort der Stunde.

Einen Preis für undifferenziertes Aburteilen von “Killerspielspielern” hat die Stadt Stuttgart verdient – hier, die goldene Wurf-Tomate -, die einen “Computerspiele-Wettbewerb” hat verbieten lassen, auf dem CounterStrike und WoW gespielt werden sollte.

“Angesichts der Ereignisse und des schrecklichen Amoklaufs in Winnenden und Wendlingen, bei dem 15 Menschen getötet wurden, können wir eine solche Veranstaltung derzeit in unserer Stadt nicht akzeptieren”, begründete Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) die Absage.”

Quelle [heise.de] Thanks to: Mr. v.W. für den link

Endlich mal wieder Sippenhaft! Alle Computerspieler in einen Topf. Ich finde auch wir sollten auch Brückenbau verbieten und alle bestehenden Brücken abreissen – es gab einfach genug Steine-, Holzklotz- und Gullideckelwerfer…

Aktionismus gegen Kinderpornographie?

Tuesday, March 31st, 2009

Kaum ein anderes Thema wird momentan so heiß daher gekocht wie der “Kampf gegen die Kinderpornographie”. Kaum ein anderes Thema demonstiert eindrucksvoller, wie schwer sich der Gesetzgeber hierzulande mit den “Neuen Medien” tut. Da wird diskutiert und verteufelt, da sollen Seiten gesperrt werden, da sollen Zeichen gesetzt und es soll geächtet werden… Ächtung ist besonders wichtig, das war schon im Mittelalter ein probates Mittel, Menschen zum Umziehen zu bewegen. [BMFSFJ.de]

Alles Signale – Signale sind toll. Ungefähr so toll wie Ampeln.

Wenn es dann soweit kommt, dass aus Signalen Gesetze werden, fragt man sich, was da eigentlich los ist… Z.B. wurde da der § 184c neu ins StGB aufgenommen – “Jugendpornographie”.

(1) Wer pornographische Schriften (§ 11 Abs. 3), die sexuelle Handlungen von, an oder vor Personen von vierzehn bis achtzehn Jahren zum Gegenstand haben (jugendpornographische Schriften) [...]
(2) Ebenso wird bestraft, wer es unternimmt, einem anderen den Besitz von jugendpornographischen Schriften zu verschaffen, die ein tatsächliches oder wirklichkeitsnahes Geschehen wiedergeben.

Damit kann es auch strafbar sein, wenn in einem Film zwei alte Muttis im Schulmädchenkostüm Handlungen aneinander vornehmen (kann wirklichkeitsnah sein!). Wie ist es mit Schriften, in denen Handlungen von Älteren, die jünger erscheinen, beschrieben werden? In denen es vielleicht heißt: “… sie war ziemlich dick und kindlich für ihre 25 Jahre und sie sagte ihm, sie wäre 18, bevor sie anfingen…” – Wir brauchen eine Renaissance in Sachen Bücherverbrennung!

“Wenn es sich dabei um Filme mit sogenannten „Scheinminderjährigen“ (= Erwachsene, die als Minderjährigen / Teens dargestellt werden) handelt, macht man sich nach dem neuen Gesetzeswortlaut strafbar, da das neue Strafgesetz nicht fordert, dass die beteiligten Personen auch tatsächlich minderjährig sind. Es reicht, wenn sie – wie auch bei der Kinderpornographie – auf den Betrachter wie Minderjährige wirken.”

Quelle [anwalt-seiten.de]

Endlich mal ein richtig schöner Gummiparagraph, der so ca. alle Leute kriminalisiert, die jemals einen Schmuddelfilm “bezogen” haben, bei dem “teens” im Titel stand. Damit bekommt man bestimmt die Richtigen. Die britische Innenministerin und ihren Mann wahrscheinlich, es sei denn, die haben sich etwas angeschaut was eindeutig “mature” war – aber das ist alles Spekulatius. [spiegel.de]

Zurück zum Thema: § 184b StGB gets down to business:

Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornographischer Schriften

(1) Wer pornographische Schriften (§ 11 Abs. 3), die sexuelle Handlungen von, an oder vor Kindern (§ 176 Abs. 1) zum Gegenstand haben (kinderpornographische Schriften),
1.     verbreitet,
2.     öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht oder
3.     herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist, einzuführen oder auszuführen unternimmt, um sie oder aus ihnen gewonnene Stücke im Sinne der Nummer 1 oder Nummer 2 zu verwenden oder einem anderen eine solche Verwendung zu ermöglichen, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. [Fettdruck fiesemu]

Uiuiui – bis zu 5 Jahre! Da überlegt man sich schon zweimal ob man seinen Enkel in der Badewanne filmt! China mag ja kein großes Vorbild bei fast nichts sein, aber dort soll es vorkommen, dass Anbieter lebenslänglich Gulag für die Distribution von normalem Porno bekommen – könnte man nicht in D noch zumindestens eine Zwangstherapie mit vorschreiben, oder mehr Jahre geben, wenn der Fall eindeutig ist? [heise.de]

Immerhin hat das Ministerium um Frau von der Leyen eingesehen, dass die angedachten Sperren für Internetseiten nicht 100%ig wirksam sind – trotzdem ist die Argumentation zum Haare raufen:

Können Zugangssperren bei den Providern die Verbreitung von Bildern und Videos, die den sexuellen Missbrauch von Kindern dokumentieren, zu 100 Prozent verhindern?

Technisch versierte Internetnutzer werden immer Wege finden, die Sperren zu umgehen. Entscheidend ist aber, dass dadurch der Zugang für die große Masse der durchschnittlich versierten Internetnutzer blockiert wird. Das trifft die Anbieter der Kinderpornografie empfindlich, weil weniger Geld eingeht. Das deutliche STOP-Schild erhöht zudem die gesellschaftliche Ächtung des Missbrauchs. Dass das System funktioniert, zeigen die jahrelangen Erfahrungen anderer Länder, die bereits Zugangssperren eingerichtet haben. Statt vor den Möglichkeiten im World-Wide-Web zu resignieren, werden alle Mittel gegen die Verbreitung von Kinderpornografie genutzt. [Fettdruck fiesemu]

Quelle [BMFSFJ.de]

Der Reihe nach:

  • “Technisch versierte Internetnutzer” = jeder der mal was von Proxyservern gehört hat, also nur extrem bewanderte Menschen *räusper*. Außerdem kann man davon ausgehen, dass Pädophile zwar krank sind, aber nicht notwendig dumm – auch solche Leute mögen fähig sein zu lernen. Man könnte einfach die Chinesen fragen, die auch mal Google benutzen wollen, wie sowas geht – bei denen freuen wir uns schizophrenerweise, wenn sie die Zensur umgehen… Außerdem leiden unter einer Sperre wahrscheinlich in erster Linie die Leute, die böse Inhalte nur zu Recherchezwecken suchen [netzeitung.de]. Problematisch könnten auch die Anbieter sein, die relativ einfach etwas gegen die Sperren unternehmen können! Siehe [onlinekosten.de]
  • “weil weniger Geld eingeht” – sind es die tausenden von K-Porn-Bezahlseiten, die wir unterbinden möchten? Hoffentlich nicht, denn diese machen offensichtlich nicht den Elefantenteil der Verbreitung aus. “Anbieter” sind doch viel eher die nicht-kommerziellen bösen Onkels, die Ihre Fotos auf ganz anderen Wegen, als Bezahlseiten unter einander tauschen. Warum etwas bezahlen, wenns auch was umsonst gibt? Mehr zu diesem Thema: [carechild.de]
  • “das deutliche STOP-Schild” – also keine Ampel, es geht um ein STOP-Schild! Ächtung bitte!
  • “gegen die Verbreitung” – die einzuschränken erscheint auch das vorrangig Wichtigste! Es ist ein klasse Ansatz, den Zugriff auf Inhalte einzuschränken, bei denen das Kind schon vor die Kamera in den Brunnen gefallen ist. Wäre es nicht weiterführender, vielleicht die Mittel der SOKOS, der Polizei und allen Kontra-K-Porn-Stellen aufzustocken und mehr Kraft darauf zu verwenden, solche Taten zu verhindern – vielleicht sogar auf internationalem Parkett? Vielleicht sogar durch Beratungsstellen für (potentielle) Täter?

Diese Punkte machen sehr schön deutlich an welchen Stellen die ganze Diskussion und die Unternehmung krankt — es geht nicht um Millionen, es gibt keine Industrie, die man “trockenlegen” müsste, damit keine Kinder mehr missbraucht werden (hierzu auch [lawblog.de]) — Sperren sind zwecklos, Zensur bedeutet nur, dass Interessenten ein klein wenig mehr Aufwand betreiben müssen um an Inhalte zu kommen — “Ächtung” ist ein schönes Wort mit germanischer Tradition, aber es verhindert nichts — Verbreitung ist sicherlich etwas das zu unterbinden ist, Produktion und Entstehung sind aber viel größere Baustellen…

Dies alles lässt die Diskussion, die im Ansatz sicherlich richtig und richtungsweisend ist, mehr wie Populismus und die beabsichtigten Maßnahmen mehr wie hilflosen Aktionismus erscheinen.

DISCLAIMER: Der Autor ist der Meinung, dass Kinderpornographie defintiv eine große Baustelle darstellt und dass etwas gegen den Mißbrauch von Kindern unternommen werden muß. Dass dies aus diversen Gründen, wie dem Internet als Medium, einer globalisierten Welt, mit unterschiedlichsten Rechtsräumen, dem häufigen Tatort “Familie” oder “fernes Ausland” extrem schwierig ist, ist klar. Das Problem auf eine stillzulegende K-Porn-Industrie zu stilisieren, technisch unpraktikable Sperren einzurichten und dann “etwas getan haben” – führt aber zu kaum etwas, außer vielleicht einer hitzigen öffentlichen Diskussion.

Thanks to: Mr. S. für links und Anregung zu diesem post.

NACHTRAG: Auf welchem Niveau argumentiert wird, macht auch ein Punkt unter “Material für die Presse” deutlich. Vielleicht hat da jemand gedacht, bei der Presse, da nimmt man’s eh nicht so genau, da können wir mal in die Vollen gehen. So heißt es da:

“Mit der allgemeinen Verfügbarkeit digitaler Kameras ist eine Flut neuer und hoch aufgelöster kinderpornografischer Bilder und Videos zu beobachten. Diese Bilder verfolgen die Opfer u. U. bis an ihr Lebensende, weil das Internet nichts vergisst.”

Quelle wieder [BMFSFJ.de]

Da fragt man sich welche Umstände dies sein sollen, unter denen da ein Opfer von den Bildern verfolgt wird. Die psychologischen Folgeschäden durch den Missbrauch / die Bilder sind ja offensichtlich nicht gemeint. Ein möglicher Umstand (?):

Enkel: “Oma du warst ja als du klein warst auch ein ziemliches Luder, hab’ ich im Internet gesehen!”

Oma: “Woher weißt du, dass ich das war?”

Enkel: “Hab’ dich wiedererkannt auf dieser Kinderpornoseite…”

Gell, bis ans Lebensende?! Das ist natürlich extrem wahrscheinlich. Aber wir biegen uns die Gründe her…

Politik

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