Archive for the ‘Krieg’ Category

Eine Analogie

Wednesday, June 8th, 2011

Wenn die Welt ein Spielplatz wär, dann wäre Deutschland das kleine, super angezogene aber sehr korpulente Kind mit der großen Klappe. Es sitzt zufrieden und rund in der Mitte der wohlgefüllten Sandkiste und freut sich seiner Förmchen und Spielzeuge.

Und wenn sich weit weg, hinten bei der Schaukel zwei andere magere Kinder anfangen die Köpfe mit ihren Schäufelchen einzuschlagen, wird erst mal vehement gepöbelt, man solle bitte aufhören – der Spielplatzfrieden sei in Gefahr. Fließt dann etwas Blut, wird lauthals weiter geschrien, aber eher in Richtung Mama und Papa, die dazwischen gehen sollen. Gegebenenfalls wird noch ein Fernglas angeboten um die Prügelei besser anschauen zu können. Gehen Mama und Papa dann dazwischen, wird noch hinterhergerufen, dass man Mama und Papa sehr lieb hat und auf jede erdenkliche Weise mit kluger Rede zu unterstützen gedenkt, aber aus der Sandkiste rausgehen käme gar nicht in Frage. Richtig auftrumpfen kann das dicke Kind, wenn Mama und Papa sich blutige Nasen geholt haben und die durch den Fetz zerstörte Schaukel wieder aufgebaut werden muss. Dann wird das Milchgeld von zu Hause gespendet und noch ein paar Bonbons für alle oben drauf. Libyen passt nicht so ganz in die Geschichte, vielleicht gerade noch als das besessene Kind mit Tourette und Fallsucht, was drauf und dran ist sich selber arg zu verprügeln.

Aus Mangel an Vorstellungskraft kehren wir in die reale Welt zurück: Deutschland als hochentwickeltes Land, bereits involviert in einen Konflikt im EU-nahen Ausland sichert jede Unterstützung zu, außer der, die gebraucht wird: ein paar schneidige Gebirgs- oder Was-auch-immer-jäger und schweres Gerät, um den Massenmord eines sich optisch arg in der Auflösung befindlichen Diktators an seiner Zivilbevölkerung zu verhindern. Sicherlich ist einer der Haupthinderungsgründe die ungünstige deutsche Verfassungslage, die ein Problem mit Einsätzen im Ausland hat, andererseits hat man sich über diesen Grund ja auch schon einmal hinweggesetzt. Nun gibt es sogar UN-Sanktionen und eine konzertierte Aktion einiger anderer besorgter Eltern gegen die vielen sinnlose Opfer – aber Deutschland, das dicke Kind hält sich lieber raus, es könnte ja Schrammen geben.

Liegt es daran, dass man mit Libyen in der Vergangenheit einfach zu sehr in der Sandkiste war und Angst hat wiedererkannt zu werden? Was wäre wenn man der Lage nicht Herr wird und Onkel Gaddafi, der ja stark verdächtig wird auch schon einmal einen Flugzeuganschlag (!) befohlen zu haben, so etwas noch einmal tut – in der Sandkiste! Bei Mama und Papa hat das schon einmal für eine Zimmerdurchsuchung auf Verdacht gelangt.

Resümee: Das dicke Kind scheint der Maulheld bleiben zu wollen, der es ist. Man übt sich lieber im Lollis-Verteilen, aber erst, wenn der Staub sich gelegt hat. Wenn aber erst mal wieder Frieden ist und das Öl in Ruhe gen Norden fließt, ist Deutschland wieder ganz vorn dabei.  Denn wozu sonst  werden die Historiker, Polizisten und Forensiker ausgebildet, die dann die Geschichte aufarbeiten und –schreiben, die übergebliebene männliche Bevölkerung als neue Rechtshüter ausbilden und in Massengräbern rumstochern um die Torsos zu zählen? Bei uns in der Sandkiste ist ja so wenig los. Aber so mögen wir es ja – alles andere wär auch schlecht fürs Schäufelchen-Geschäft

 

Nur Fliegen, ist schöner

Friday, January 15th, 2010

Alé Hopp! Der CCC (Chaos Computer Club, für die, die die letzten 15 Jahre in einer Höhle gelebt haben) hat am Hamburger Flughafen, Fuhlsbüttel, ohne größere Probleme eines “der besten” Sicherheitssysteme auf dem Markt für Mitarbeiterausweise “geknackt”. So konnten ohne Schwierigkeiten Mitarbeiterausweise des Flughafenpersonals ausgelesen werden, die Daten gespeichert werden und dann verwendet werden, um Türen und Zugänge bis hin zum Rollfeldzu öffnen [abendblatt.de].

In Zeiten wo es trotz Nacktscannern, Blasencheck (bis zu 500 ml gehen da rein!) und Vorhautkontrolle sowie totaler geheimdienstlicher Überwachung für registrierte Terroristen möglich ist, ein Flugzeug mit Sprengstoff am Bein zu besteigen [welt.de], sollte man meinen, dass die Flughafensicherheit groß geschrieben wird. Man sollte meinen, dass die bei den Mitarbeitern anfängt, da diese viel häufiger und wahrscheinlich unbemerkter in sensible Zonen kommen bzw. Leute in diese hineinlassen können. Aber nein, man pflegt ein Zugangskontrollsystem, wie mit Cafeteria-Karten, 0-bit verschlüsselt. Das war sicher – bis es nur jemand versucht hat zu knacken. Wow!

Was beruhigt, ist, dass das Personal “genauso strengen Checks unterliegt, wie normale Passagiere”, jeder auch nicht öffentliche Zugang ist zusätzlich mit Personal gesichert… Schon blöd, wenn das aus dem eigenen Unternehmen dementiert wird (s. Artikel oben).

Unabhängig von der Sicherheit des Karten-Systems frage ich mich, was es überhaupt nützt, die Sicherheit so extrem hoch zu halten. Egal welche Schlüsselmechanismen man verwendet, es besteht ja immerhin die Möglichkeit, dass es sich bei Terroristen nicht um Passagiere handelt. Man redet schließlich von Leuten, die lange im voraus planen und so. Denen würde man glatt zutrauen, sich auch mal bei einem Flughafen beschäftigen zu lassen – ach nee, das macht ja nichts, es gibt ja noch Sicherheitsleute an jeder (?) Türe und einen Passagier-Style-Check. Zum Glück ist noch niemand auf die Idee gekommen, sich mit einem Gesinnungsgenossen im Doppel, also auch beim Sicherheitsdienst zu bewerben und beschäftigen zu lassen. Sollte man vielleicht mal bei den Flughäfen dieser Welt anwarnen. Aber das haben die bestimmt nicht unter Kontrolle, die Sicherheitsdienste sind ja häufig extern…

FORDERUNG AN DIE WELT: Anstatt die Sicherheitsvorkehrungen auf Flughäfen für potentielle Terroristen (aka zahlende Fluggäste) noch weiter zu verschärfen und noch absurdere Regeln und teurere Scanner etc. einzuführen, sollten die Flughäfen ihre Hausaufgaben machen und erstmal die eigene Türe sauber verschliessen. Wo man dann immer noch nicht gegenan kommt, sind langfristige Strategien (Bewerbung – Beschäftigung – Amok) bzw. religiöse oder weltanschauliche Ansichtsänderungen der Flughafen-Bediensteten über die Zeit hinweg (á la Militärpsychiater gone al Quaeda [AFP via google.com]). Ergo: 100% Sicherheit gibt es nicht – stop the hassle!

Quer gelesen

Wednesday, August 12th, 2009

Dieser Tage auf Spiegel-Online…

Es war einer der letzten großen NS-Prozesse, der Angeklagte Josef Scheungraber bestritt stets die Vorwürfe – nun ist der frühere Wehrmacht-Kompaniechef in München zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Er war 1944 für die Ermordung von zehn Italienern in der Toskana mitverantwortlich, so das Gericht.

München – Der 90 Jahre alte Josef Scheungraber ist am Dienstag in München wegen zehnfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Schwurgericht war nach knapp elfmonatiger Beweisaufnahme überzeugt, dass der damalige Kompaniechef eines Gebirgspionierbataillons 1944 in der Toskana den Befehl zu einem Vergeltungsschlag für den Tod zweier Soldaten gegeben hat. Insgesamt 14 italienische Zivilisten starben.

Der Angeklagte hatte die Vorwürfe während des elf Monate dauernden Verfahrens stets bestritten. Die drei Verteidiger von Scheungraber plädierten für ihren Mandanten vergeblich auf Freispruch. Die Staatsanwaltschaft und nun auch das Gericht sahen es hingegen als erwiesen an, dass Scheungraber maßgeblich an einer Racheaktion an Zivilisten nach einem Partisanenüberfall auf drei deutsche Soldaten beteiligt war.

Josef Scheungraber soll demnach Ende Juni 1944 als Kompanieführer im Gebirgspionierbataillon 818 im italienischen Falzano di Cortona, zwischen Arezzo und Perugia gelegen, den Befehl zu zwei Vergeltungsanschlägen für einen Partisanenangriff gegeben haben. Als Leutnant soll er seine Männer beauftragt haben, “die Gegend systematisch zu durchsuchen und mehrere angetroffene, vorwiegend männliche Personen festzunehmen”, sagte Staatsanwalt Hans-Joachim Lutz. Wer sich der Festnahme entzog, sollte auf der Stelle erschossen, die Festgenommenen an einen zentralen Ort gebracht und dort getötet werden.

…”

Quelle: [spiegel.de]

“Chaim Miller bereut bis heute nichts von dem, was er als junger Mann im Sommer 1945 in Norditalien getan hat. “Damals war es genau das Richtige”, sagt der 88-Jährige ohne zu zögern. Genau das Richtige bedeutete: Entführen, vernehmen, hinrichten. Heute zählt er viele Deutsche zu seinen Freunden und würde so etwas niemals wieder tun, “doch nach dem Krieg waren die Bedingungen völlig anders”. Es habe keinen Staat Israel und kein funktionierendes Rechtssystem gegeben, das die deutschen Verbrechen angemessen hätte verfolgen können. Miller und seine Mitstreiter quälte das Gefühl, dass nur ein paar NS-Größen festgenommen wurden. “Die anderen hat man einfach laufen lassen.”

Soldaten der “Jüdischen Brigade” blieben nach Kriegsende in der italienischen Kleinstadt Tarvisio an der Grenze zu Österreich, um zu helfen, jüdische Flüchtlinge nach Palästina zu schleusen. Gleichzeitig bildeten sich kleine Trupps, die nach SS-Leuten mit blutiger Vergangenheit fahndeten. “Wir erhielten Tipps und Namen von Titos Geheimdienst”, erzählt Miller. Um nicht aufzufallen, verdeckten die jüdischen Soldaten den Davidstern, der sonst stolz auf ihrer Uniform prangte. Sie wollten aussehen wie normale britische Soldaten.

Die Nazi-Jäger fuhren über die Grenze nach Österreich, gaben sich als britische Militärpolizisten aus und luden gefangene SS-Männer auf ihre Wagen, vorgeblich um sie zur Vernehmung zu bringen. Dann kehrten sie zurück über die Grenze und fuhren in entlegene Waldstücke. “In dem Moment ahnten die meisten, dass wir keine britischen Polizisten sind”, erinnert sich Miller. “Sie hatten Angst.” Die Entführten wurden verhört, manchmal stundenlang. Man suchte nach verräterischen Blutgruppen-Tätowierungen unter dem Arm, die nur SS-Angehörige hatten. Manche leugneten alles, andere waren geständig. Am Ende urteilte ein Standgericht und verlas ein Todesurteil – “im Namen des jüdischen Volkes”.

Was anschließend geschah, nennt Miller nicht beim Namen. Er umkreist es mit Andeutungen, spricht nicht von Exekutionen, sondern von “Dingen”, die dann passiert seien. “Sie haben für ihre Verbrechen bezahlt. Sie sind alle im Wald geblieben.” Bei zehn Hinrichtungen sei er anwesend gewesen. Einmal habe er selbst abgedrückt. Nur einen Mann ließ seine Gruppe wieder frei, weil sie sich nach dem Verhör unsicher geworden waren. “Wir wollten nur die bestrafen, die nachweislich Verbrechen begangen haben”, sagt er.

…”

Quelle [einestages.spiegel.de]

Piraten? Piraten!

Thursday, July 2nd, 2009

Wa ist da eigentlich los, im armen Somalia? In den Medien schon x-fach wiedergegeben: Die Situation in Somalia ist Schuld an der aktuellen “Pirateplage”. Welche Situation? Gemeint ist wahrscheinlich, das es sich bei Somalia um ein, im wahrsten Sinne des Wortes, “vergewaltigtes” Land handelt… Vergewaltigt von wem? Von allen! Dem eigenen Staatsoberhaupt, reichen Industriestaaten… Eigentlich alles was in Somalia in den letzten 50-60 Jahren politisch und wirtschaftlich passiert ist, muss einem einfach die Tränen in die Augen treiben.

Zur Geschichte in Kürze:

  • 1960 Unabhängigkeit von GB und Italien
  • 1969 Militärputsch und Machtergreifung durch Siad Barre (Ex-Hirtenjunge und Sozialist)
  • 1977 – 1978 Ogadenkrieg gegen Äthiopien, endet in Niederlage
  • 1980er Abkehr vom Sozialismus, Öffnung des Landes für den Westen, da von Russland im Krieg gegen Äthiopien hintergangen
  • 1991 Sturz Siad Barres und Beginn eines Bürgerkriegs
  • 1993 “Black Hawk Down” – Abschuss mehrerer US-Kampfhubschrauber in Mogadischu, Vorlage für den gleichnamigen Film
  • bis heute, Machtkämpfe und Krieg verschiedener Parteien und Warlords, keine funktionierende Zentralregierung

Fakten zu Somalia [CIA – The World Factbook]:

– 70% der Bevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser
– ca. 11% Säuglingssterblichkeitsrate
– Lebenserwartung bei Geburt 49,6 Jahre
– GDP (BIP) ca. $5,4 Mrd
– pro Kopf Einkommen ca. $600
– Religion vorwiegend sunnitisch-islamisch

Karte_Map_SomaliaQuelle Bild: [wikipedia.de]

Dieses Land wurde von allen vergessen. Halt! Nicht allen… Eine kleine (große?) Anzahl gewiefter Entsorgungsunternehmer, die den toxischen Abfall, der so in reichen Industrieländern anfällt, entsorgen, hat sich an Somalia erinnert. Schließlich ist ein Land ohne funktionierende Regierung und Küstenwache, dass sich seit fast 18 Jahren im Konfliktzustand befindet der perfekte “Abnehmer” für Sondermüll. Auch Fischereiflotten diverser Länder haben sich erinnert und sich innerhalb der somalischen Gewässer gütlich getan, schliesslich waren die Gewässer sehr fischreich – warum auch diese 200 Meilenzone beachten?

Ein leckerer Umstand. Einige Schiffe verklappen hochtoxischen Müll, Uran, alles was die Industrie so hergibt, an der Küste und in somalischen Gewässern und andere Schiffe überfischen dann das teils arg verseuchte Gewässer. Lecker Omega 3-Nuklearsäuren für Fischfans – so futtern die Leute in den Industriestaaten dann das Cadmium aus ihren Walkmanbatterien – der Kreis schliesst sich. Ist das denn alles so schlimm? Also der UNeP Report, der sich mit den Folgen der Tsunami befasst, beschreibt:

“Contamination from the waste deposits has thus caused health and environmental problems to the surrounding local fishing communities including contamination of groundwater. Many people in these towns have complained of unusual health problems as a result of the tsunami winds blowing towards inland villages. The health problems include acute respiratory infections, dry heavy coughing and mouth bleeding, abdominal haemorrhages, unusual skin chemical reactions, and sudden death after inhaling toxic materials.” (p. 135)

Quelle: [unep.org]

Aha. “Sudden death”, nachdem jemand was Giftiges eingeatmet hat. Fische tot, Grundwasser tot, Fischer tot. So schlimm geht das schon seit den 80er Jahren. Frei nach dem Motto, wo kein Kläger, da kein Richter. Obwohl Kläger gibt es viele: Greenpeace und diverse andere Verbände und NGOs weisen auf den Umstand des Giftmüllhandels gen Somalia schon länger hin [greenpeace.de], genauso wie auf die illegale Überfischung durch ausländische Fischerboote – was im Fachjargon als “Pirate-Fishing” bezeichnet wird [greenpeace.org]. Aber wer richtet es? Keiner…

Wem keiner hift, der hilft sich selbst. Und nun haben wir (die handeltreibende Weltgemeinschaft) das Problem in Form von Fischerbooten, die bis an die Zähne, mit allem bewaffnet, was der internationale Waffenhandel liefern kann, auf ihre eigene “Pirate-Fishing”-Touren gehen. Interessant ist, dass erst ein Frachter mit 33 russischen Panzern an Bord gekapert werden muss, damit auch im dösenden Europa und den gerüsteten USA, die Alarmglocken schrillen [welt.de]. Zack-bumm, gleich sind diverse Zerstörer vor Ort, alle Staaten entsenden ein bisschen Marine. Aber wieso? Damit die Fischer keinen Panzer klauen? Damit nicht noch mehr Waffentransporte aus dem Ostblock gekidnappt werden? Wegen der anderen Frachtschiffe, die teilweise schon monatelang gekidnappt vor Somalia in Piratenhand sind? Auf jeden Fall ist auf einmal die Weltpresse und -öffentlichkeit interessiert. Schließlich muss man Angst haben, dass die gebuchte Kreuzfahrt im Golf von Aden viel aufregender wird als gedacht, oder dass die Südfrüchte nicht rechtzeitig in Europa ankommen.

Armes Somalia. Wer sich mal über den Stand im Staat informieren möchte, sollte mal auf der Seite der Regierung vorbeischauen… Letztens wurde beinahe der Präsident der Übergangsregierung ermordet. Es hat dann nur den Bruder und einige Sicherheitsleute erwischt [somalia.gov]. Außerdem gibt es vermehrt “islamistischen Terror” von “islamistischen Gruppen” die “al Qaeda” nahe stehen (sollen)…

Aber Hauptsache, die Piraten klauen keine Frachter mehr mit Waren für Industrie-Staaten, deren Abfallprodukte aus der Herstellung schon in Somalia am Strand fläzen. Bon Apetit!